Jacek Slaski
TAG 24 – NEW YORK
(…)
Die Subway brachte uns zurück nach Downtown, am Columbus Circle stiegen wir aus und gingen in den Central Park, jetzt stand ein Stimmungsaufheller auf dem Programmzettel, der Central Park Zoo. Wir laufen durch den Park, die Menschen lächeln, Influencer drehen kleine Videos, die Bäume blühen in herrlichen farben, die Squirell hüpfen herum, von der idyllischen Brücke über einem kleinen See kann man Schildkröten beobachten, die sich am Ufer sonnen. Es ist bestes Frühlingswetter. Im Café essen wir Burger und Fritten, God bless the United States of America!

Der Zoo ist für uns natürlich nicht nur interessant, weil es ein Zoo ist und wir gerne in Zoos gehen, sondern weil er auch die Heimat der vier tierischen Helden aus der “Madagascar”-Filmreihe ist. Löwe Alex, die Nilpferddame Gloria, Marty das Zebra und Melman die Giraffe. Gemeinsam erleben sie mehrere Filme lang irre Abenteuer und sorgten mit den Pinguinen aus Madagascar- und King-Julian-Spin-offs für viel Freude in Antons Kindheit.
New York ist als Stadt allgegenwärtig, sie wird und wurde wie keine andere in Tausenden von Filmen, Serien, Musikvideos, Computerspielen und nicht zuletzt auch Nachrichtenbildern kolportiert, so ist New York immer auch ein Reality Check. Ohne New York zu kennen, meint man, New York zu kennen, weil man die Filme gesehen hat, die Serien kennt, die Fotos aus den Büchern, die Videos von Youtube. Und dann siehe da, im Central Park Zoo leben keine Giraffen, keine Löwen und keine Nilpferde, nicht einmal Zebras gibt es hier. Für die afrikanische Fauna muss man in den großen Zoo in der Bronx fahren, vielleicht auch nach Queens, im kleinen gemütlichen Zoo im Central Park leben ein paar Robben, drei müde Grizzlybären, einige japanische Schneeaffen und ein Pärchen Roter Pandas. Auch aus dieser Truppe ließe sich sicherlich ein lustiger Film machen, aber es wäre ein anderer, nicht “Madagascar”.
Dann geht es die 5th Avenue hinunter, den Inbegriff der New Yorker Eleganz, vorbei an den teuren Hotels, an Tiffanys und dem großen Apple-Laden, vorbei an Gucci, Prada und dem Trump Tower. Immer weiter zur 44. Straße und zum Algonquin Hotel, einer vornehmen Adresse in Midtown, hier kostet die Nacht gut 500 Dollar, doch wir wollen nicht übernachten, uns interessiert Hamlet VIII, die Hotel-Katze, die hier lebt. Seit 40 Jahren leben Katzen in der Lobby, drei Matildas gab es bislang und nun residiert der achte Hamlet in einem Etablissement, das sich nicht alle New-York-Besucher leisten können. Solche Geschichten, urbanen Mythen, kleine exzentrische Finessen, wie Hamlet die Hotelkatze, hätten aus einem Roman von Paul Auster stammen können, in New York sind sie aber Teil der Stadtgeschichte, der Reality Check funktioniert in beide Richtungen. Die Fiktion überschreibt die Realität der Stadt, aber die Stadt schreibt gleichzeitig ihr eigenes Drehbuch.
(…)
Der Ausblick ist wie erwartet grandios, damals 1991 war ich nicht hier oben, in Chicago fuhren wir in die oberste Etage des Sears Tower, seinerzeit das höchste Gebäude der Welt, doch es war wolkig und man sah fast nichts. In New York haben wir 33 Jahre später mehr Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint, man kann bei klarer Sich bis zu 80 Meilen weit sehen, in sechs verschiedene States. Doch schon die unmittelbare Umgebung ist faszinierend, die Hochhäuser und Straßenschluchten, der Central Park auf der einen Seite, Downtown auf der anderen, flankiert von Brooklyn und New Jersey. Atemberaubend.
Obendrauf wird in der 80. Etage noch eine Ausstellung zum 25. Jubiläum der Verbindung von Lego und “Star Wars” gezeigt. Lebensgroße Figuren von Darth Vader und Darth Maul, ein Vintage-Szenario aus dem ersten Film und, das Beste überhaupt, die komplette Sammlung aller je produzierten Star-Wars- Lego-Minifiguren. Im März 2024 wurde die Spitze des Empire State Building mit Star-Wars-Projektionen angestrahlt, wir sehen Videos davon. The Empire Strikes Back!
(…)
An der Grand Central Station, wo in der gewaltigen Halle halb New York umsteigt und Krach, Durchsagen und wilder Jazz, den die Straßenmusiker in die Luft blasen, sich zum rauschenden Soundtrack verweben, nehmen wir Abschied von der Stadt, von unserer Reise, von den USA. Hier enden fast vier Wochen USA-Trip. Die Subway bringt uns zurück nach Bushwick, wir kaufen von unseren letzten Dollars Toastbrot die fantastische Mango-Limonade “Mucho Mango” in der Gallonen-Plastikflasche, das Getränk für Champions!
Zum Abendbrot gibt es Käsetoasts, Apfel und Bananen und die Limo, dazu die sehr lustige Krimikomödie “Tower Heist” mit Ben Stiller und Eddie Murphy, die in einem noblen Appartementhaus direkt am Columbus Circle spielt. Auch dort waren wir heute früh. Film und Fiktion, Reisen und Realität. Goodbye, America!
