Monika Wrzosek-Müller
Vielleicht haben nicht alle in Pokopedia reingeschaut, doch es lohnt die Mühe, auf die Website zu gehen und wenigstens einige Einträge zu lesen. Zugegeben, es sind grausige Geschichten, wahre Tragödien im griechischen Sinne, bei denen es keinen positiven Ausgang gibt, geben kann. Doch das Wissen darüber müsste eben in unserer Zeit verbreitet werden, denn ich glaube ganz tief, dass nur durch das Wissen über die vergangenen Gräueltaten die nächsten verhindert werden können, wenn überhaupt. Dazu habe ich dieses Interview gelesen und gedacht, das drückt genau aus, was ich mit meiner Teilnahme an dem Projekt Polkopedia meine.
Wie bewahren Sie sich bei solchen Botschaften Ihre Menschlichkeit?
Es gibt keine einfache Antwort, aber wir dürfen die Suche nicht aufgeben. Die vorläufige Antwort lautet, dem Leben und der Welt wirklich Aufmerksamkeit zu schenken. Genau hinzuschauen und genau zuzuhören. Ich denke, es ist wichtig, die Geschichten der Schwachen und der Vergessenen zu erzählen, ihre Existenz auf diese Weise zu bezeugen. Es ist wichtig, sich am Leben zu erfreuen, weil du niemandem helfen kannst, wenn es dir selber schlecht geht. Die Solidarität mit anderen, die Ähnliches wie du durchmachen, ist bedeutungsvoll. Du kannst versuchen, mit Freundlichkeit zu leben, Musik zu machen oder künstlerisch zu arbeiten, wenn du kannst, und Zeit mit meditativen Aktivitäten wie mit Lesen zu verbringen. Diese kleinen Dinge werden die großen Probleme nicht lösen, aber sie bewahren dich in deinem Menschsein.
Gespräch mit dem Schriftsteller Teju Cole, FAZ, 3. März 2024
