Wim Wenders und die Nobeltoiletten von Shibuya

Michael G. Müller

Als ich aus dem Wenders-Film „Perfect Days“ kam, war ich beeindruckt und verwirrt zugleich. Beeindruckt war ich von den atemberaubenden Bildern von Tokio (meistens von den schöneren Seiten), von der wunderbaren Hauptfigur (dargestellt von Kōji Yakusho) mit ihrer irgendwie geheimnisvollen Geschichte – ja und natürlich von den öffentlichen Toiletten in Shibuja, nicht nur Tempel zivilisierter öffentlicher Hygiene, sondern auch kleine architektonische Meisterwerke. Sie entstanden übrigens im Rahmen des Prestigeprojekts The Tokyo Toilet, über das man sich auf der Homepage tokyotoilet.jp kundig machen kann.

Verwirrt hat mich dagegen, dass ich fast nichts von dem wiedererkannt habe, was ich bei sechs oder sieben Aufenthalten in Tokio bis 2012 selbst gesehen und verspürt habe. Natürlich, einzelne Örtlichkeiten habe ich wiedererkannt (auch wenn es die Prunktoiletten erst später gebaut wurden), nicht aber die städtische Wirklichkeit.

Das liegt wohl daran, dass ich Tokio als gewöhnlicher Stadtbesucher betrachtet habe – und nicht, wie wahrscheinlich Wenders, hauptsächlich von der VIP-Loge aus. Meistens war ich mit einer kleinen Gruppe von deutschen Studierenden in Stadt unterwegs, ab und zu auch alleine. Nach Shibuya, einem der drei wichtigsten Metropolzentren, kamen wir immer wieder, um den prächtigen Meiji-Schrein oder den Yoyogi-Park zu besuchen oder um die berühmte „Alle-Gehen-Kreuzung“ und die großen Kaufhausstraßen zu sehen. Vor allem aber musste ich fast täglich auf dem gigantischen, labyrinthisch angelegten Großbahnhof von der Yamamoto-Line in eine andere U-Bahn- oder S-Bahnlinie umsteigen. So wurde Shibuya für mich vor allem zum Inbegriff des alltäglichen, manchmal verzweifelten Kampfes darum, gegen unbeschreibliche Menschenmassen anzukommen, darin zu überleben. Vertraut kamen mir immerhin die in Wenders‘ Film gezeigten Schnellimbisse oder die kleinen Buch- und Musikläden vor, oft auch die in dem Labyrinth der Bahnhofsgänge untergebracht. Alles jenseits der sorgfältig gefegten Bahnsteige und Hauptwege war aber ziemlich schmuddelig, besonders auch die öffentlichen Toiletten. Weniger High Tech als Billigelektronik und grelle Aufmachung. Um aber zu den beschaulichen Schauplätzen von Perfect Days zu gelangen – dem idyllischen Ort unter hohen alten Bäumen oder dem großzügigen Kinderspielplatz – ist man in Shibuya lange unterwegs. Es gibt sie schon, doch sind sie für die meisten unerreichbar. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, kann fast mit Sicherheit nirgendwo parken…

Shibuya, “Alle-gehen-Kreuzung”

Aber noch etwas Anderes stört mich an Perfect Days. Die meisten der enthusiastischen Filmkritiken lesen die Geschichte als ein Lob der Bescheidenheit, der Demut und der Kontemplation; auch und vielleicht gerade der Toilettenreiniger kann ein Leben in Würde und Zufriedenheit führen. Aber ist das wirklich gemeint? Eigentlich ist Wenders‘ Held Hirayama ja doch etwas „Besseres“ – ein Gebildeter und ehemals Privilegierter, den widrige Umstände in die Lage gebracht haben, in der er jetzt ist. Als feinsinnigen Nostalgiker weist in nicht zuletzt seine Vorliebe für die Popmusik der 1960er und 1970er aus (The House oft The Rising Sun…), die er bei seinen Dienstfahrten auf dem altertümlichen Kassettenrekorder seines Autos abspielt; sicher auch Wenders‘ Geschmack. Das alles bleibt geheimnisvoll, wird nur zum Teil aufgeklärt, relativiert aber die Erzählung von dem Toilettenreiniger als Philosophen am Ende doch.

Eine viel glaubwürdigere Geschichte über kleine Leute und kleines Glück in Japan erzählt der 2015 von Naomi Kawase gedrehte Film Kirschblüten und rote Bohnen, der von dem Betreiber eines kleinen Imbissstands in Tokio handelt und von dessen Helferin, einer ehemals leprakranken alten Frau. Auch hier geht es um Selbstbescheidung, Empathie und die Erlangung von Zufriedenheit. Allerdings fällt der Schluss nicht so melancholisch-versöhnlich aus wie bei Perfect Days… Wenn schon, dann sollte man beide Filme sehen.

2 thoughts on “Wim Wenders und die Nobeltoiletten von Shibuya

  1. Tak się składa, że zanim przeczytałam na blogu ten wpis o filmie “Perfect Days”, oglądnęłam już go również, nie czytając nigdzie o filmie żadnej recenzji, lub streszczenia, nie lubię, gdy jestem z zewnątrz nastawiana na odbiór.Jedynie co, to nie można się obronić w kinie od reklamowych migawek filmów, które są już, lub będą niedługo grane.I czasem właśnie jedna scena mnie tak zaintryguje, że mówię do siebie:”ten film muszę zobaczyć”!I moje spostrzeżenia co do filmu zostały takie:-główny bohater poprzez strukturę dnia i wolnego czasu jest jakby zakorzeniony w tej swojej codzienności:on po prostu jest sam, jak jakieś drzewo.Niektóre z jego korzeni są starsze, głebsze, sięgające dawnych zainteresowań, czyli muzyki, czytania, robienia zdjęć (przeważnie właśnie drzew), inne młodsze to rytm dnia, podobny w swej regularości do rozkładu jazdy np. pociągów.Jesli już zapuści gdzieś swój nowy korzonek, to jest on od razu solidny, “zadbany”: np.perfekcja czyszczenia Toilette (np.sprawdzanie z lusterkiem, czy jest już dokładnie czysto), perfekcyjna organizacja swej pracy.My widzowie nie wiemy do końca filmu, dlaczego on wykonuje właśnie tę pracę, wyglądając na człowieka oczytanego, mającego liczne zainteresowania, jest to też kompletnie nieważne.Obserwując go (poza jedną sceną większego wzruszenia) widzimy zawsze kogoś, kto rano, patrząc w niebo uśmiecha się, ogólnie jest taki “stoicki, obserwuje wszystko i wszystkich z pogodnym wyrazem twarzy, myśli zachowując dla siebie, gdyż jest małomównym człowiekiem, jest naogól zadowolony ze spędzania swego wolnego czasu, bo to są miejsca, gdzie ma znów już tam…swoje korzenie.

    Po przeczytaniu wpisu na blougu, wzbogaciłam swój obraz tego filmu o wiele dodatkowych informacji np.o samym Tokio, tak, że mogę teraz moje puzzle do końca poukładać, dziękuję bardzo.

    Film zrobił na mnie mocne wrażenie, ze względu na osobowość człowieka, który w filmie często jest niewidocznym, nie wzbudzającym respektu pracownikiem przegromnej instytucji, ale będąc tym kim i jaki jest, wzbudził mój ogromny respekt i sympatię.

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