Green Border / Grüne Grenze / Zielona granica

EMS: Fast zufällig nahm ich gestern teil an Sichtung des Films ZIELONA GRANICA / GREEN BORDER.

Dies ist der neue Kinofilm der dreifach Oscar®-nominierten polnischen Ausnahmeregisseurin Agnieszka Holland, der auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig sieben (!) Auszeichnungen erhielt, unter anderem den „Spezialpreis der Jury“, den „Cinema for UNICEF Award“ und den „Best Foreign Film Award“.

EMS: Der Film kommt am 1.2.2024 in die deutschen Kinos.

Das multiperspektivische Drama thematisiert die Flüchtlingskrise an der Grenze zwischen Belarus und Polen und bringt absolut aktuelle und zentrale Fragen auf den Tisch – welche grundlegenden Werte und Menschenrechte an den Außengrenzen der EU sollten wir eigentlich einfordern und verteidigen? Auf welchen Werten sollte unsere europäische Asyl- und Geflüchtetenpolitik basieren?

Aus dem Text des Verleihers: Im Film kreuzen sich die Wege einer syrischen Flüchtlingsfamilie, einer alleinreisenden Englischlehrerin aus Afghanistan, eines jungen, polnischen Grenzschutzbeamten an der polnisch-belarussischen Grenze sowie einer Anwohnerin des Grenzgebiets, die sich während des Films zur Menschenrechtsaktivisten anschließt. Die dortige humanitäre Krise, ausgelöst vom belarussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka, sorgt dafür, dass viele Migranten versuchen, die Grenze als „Hintertür“ zur illegalen Einreise in die Europäische Union zu nutzen.

GREEN BORDER ist eine Koproduktion zwischen Polen, Tschechien, Belgien und Frankreich. Agnieszka Holland recherchierte für ihren Film intensiv und sprach mit Beteiligten auf allen Seiten, so dass ein fast dokumentarischer Film entstanden ist. GREEN BORDER fordert die Zuschauer*innen die Perspektiven zu wechseln und offensiv über eigene moralische Entscheidungen nachzudenken. Dabei blickt der Film aber nicht auf die verstörenden Zustände im „rechtsfreien“ Grenzgebiet, sondern erzählt vor allem auch über Hoffnung, Liebe, Mitgefühl und Empowerment.
Agnieszka Holland hat ZIELONA GRANICA entgegen der Widerstände der national-konservativen Regierung PiS in Polen realisiert.

Sowohl Holland selber als auch der Film wurden Hassgegenstand politischer Kampagnen. Holland wurden antipolnische Einstellungen unterstellt, der Film wurde als NS-Propaganda bezeichnet. Die Regisseurin musste zeitweise einen Personenschutz bekommen.

Obwohl GREEN BORDER sofort der erfolgreichste polnische Kinofilm 2023 wurde und offensichtlicher Favorit hätte sein müssen, wurde der Film nicht als polnischer Beitrag für die Oscars® eingereicht; man hat stattdessen den (zugegeben spektakulären) Film Die Bauern gewählt.

Die Piffl Medien (deutsche Verleih-Firma) finden, dass diese Rezeption in Polen besorgniserregend sei und zeigt, was mit der Meinungs- und Kunstfreiheit, sowie den politischen und kulturellen Debatten passieren kann, wenn nationalkonservative Kräfte zu viel Einfluss auf Kultur und Gesellschaft bekommen und welche Folgen dieser Trend für freie Stimmen und Debatten hat.

Piffl Medien wird diesen Film als großen Arthouse-Kinostart am 1.2.2024 bundesweit in die Kinos bringen, begleitet von einer umfassenden Pressekampagne und vielen Veranstaltungen.

GREEN BORDER bietet einen künstlerischer Zugang zu einer komplexen Debatte. Es ist ein Film, der Fragen aufwirft, andere Perspektiven ermöglicht und vor allem den Blick in den aufgeheizt polarisierten Diskussionen um Asylrecht und EU-Außengrenzen wieder zurück auf die Menschen und Grundrechte lenkt. Man gibt dabei zu, dass man keine Lösung dafür hat, was politisch die „richtigen“ Maßnahmen wären, um der Flüchtlingskrise zu begegnen. Agnieszka Holland ist es wichtig, die Grundwerte zu manifestieren, auf denen JEDE spätere politische Entscheidung basieren sollte. Piffl Medieni hoffen, dass der Raum Kino, ebenso wie die durch den Kinostart entstehende Öffentlichkeit dann entsprechend genutzt wird, um miteinander ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren, nachzudenken, vor allem aber auch um Rote Linien unseres menschlichen Miteinanders zu definieren, die wir nicht unterschreiten dürfen.

Piffl Medien wollen zum Kinostart gemeinsam mit dem Publikum möglichst laut für die Flüchtlingskrise werden, in der Hoffnung, dass viele Menschen diesen Film sehen und sich mit der Thematik beschäftigen werden. Es werden größere Events organisiert, hoffentlich mit reichweitenstarken Multiplikator*innen und / oder VIPs, inhaltliche Kino-Veranstaltungen mit anschließenden Diksussionen, Hintergrundberichten in Medien und Netzwerken u.v.m.

Agnieszka Holland ist dieser Film eine Herzensangelegenheit und hat ihre volle Unterstützung für den deutschen Kinostart zugesichert.

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EMS: Vor dem Film wurde eine kurze Rede von Agnieszka Holland gestrahlt, in der sie alle Menschen in Deutschland um Unterstützung bittet, den Film in möglichsts vielen Kinos zu zeigen. Hat man eine Idee, wo, ist man gebeten, sich bei den Piffl Medien zu melden.

EMS: Und meine letzte Bemerkung: der Film ist gut!

2 thoughts on “Green Border / Grüne Grenze / Zielona granica

  1. Mir scheint, dass wir am Beispiel von dem Film sehr gut erkennen, wie schnell die Schrecklichkeiten sich verbreiten und vertiefen. Er ist in gewissen Sinne nicht mehr aktuell; und das ist makaber.

    1. Glück entsteht durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
      doch Pech durch Vernachlässigung der kleinen Dinge.
      Wilhelm Busch
      Pani Agnieszka krzyczy po puszczy…nie po raz pierwszy i niestety nie ostatni;
      was ist makaber ?
      wenn schon, dann unsere ganze Exsistenz;

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