Irland

Ein Hirsch auf einem Hügel, dann Schwane, dann eine Landschaft, alles kitschige Bilder, die in vielen polnischen Dorfhäuser hängen. Unter den Bilder die Titelsequenz und der Titel:

Irland
Ein Kurzfilmdrehbuch von
Renata Borowczak-Nasseri

Die Kamera fährt von dem Bild mit dem Hirsch auf einem Brunftplatz zurück und eröffnet auf:

INT. WOHNZIMMER EINES POLNISCHEN DORFHAUSES. ABEND.

maryjkaHALINA (42), Lockenwickler im Haar, in einem billigen dekoltierten Kleid,  marschiert mit einem Lappen in der Hand ins Zimmer. Neben dem Blid mit dem Hirsch  hängt ein Bild mit Mutter Maria. Halina wischt Staub ab, dann geht sie zu der gegenüberliegenden Wand, die kein Fenster hat und wischt Staubt von einem TV-Flachbildschirm ab. Das Bildschirm ist gross, fast wie die Wand. Dann umkreist Halina einen altmodischen, wackeligen Tisch mit Strickserviette darauf, und Plastikblumen in einer Vase und kommt zu einem Komputer, der mit einer Kamera ausgestattet ist. Mit einer sehr zärtlichen Geste, noch zärtlicher als bei dem Bild der Mutter Maria, wischt sie von dem Bildschirm den Staub ab. Der Komputer ist an, Skype ist an, und Halina schaut sehnsüchtig den Bildschirm an. Sie schaut zu einer großen Wanduhr. Es ist 5 nach Acht. Halina merkt in einem Spiegel an der Wand die Lockenwickler in ihrem Haar. Noch mit dem Lappen in der Hand reisst sie ungeduldig die Lockenwickler vom Kopf, macht ihr Haar zurecht. Sie summt ein Lied, lächelt sich in dem Spiegel an. Plötzlich dreht sie sich hastig um und rennt zu einem verglastem Schrank in welchem eine riesige Stereoanlage und ein paar Parfümfläschen stehen. Sie holt ein Parfüm in einer billig wirkenden Flasche heraus und perfümiert sich hinter den Ohren, dann großzügiger in ihr Dekoltee. Sie springt zu dem Komputer, merkt den Lappen in der Hand und versteckt ihn hinter dem Komputer. Sie starrt den Bildschirm an. Niemand ist online. Sie wird unruhig, summt wieder das Lied. Schaut wieder zu der Uhr und hält es nicht aus. Sie greift zum Telefon, das neben dem Bildschirm steht. Sie wählt lange, es ist eine lange Telefonnummer. Sie wartet,  jemand meldet sich, er lässt Halina nicht zu Wort kommen.

HENRYK

Was rufst du denn an, aus dem teurem Telefon, ich dusche gerade, ich arbeite doch den ganzen Tag!

Henryk hat aufgelegt und Halina hat es nicht geschafft, etwas zu sagen. Sie sitzt vor dem Bildschirm und starrt das Telefon an. Sie fängt wieder zu summen an, aber ihre Stimme bricht ab. Zögernd wählt sie wieder, in dem Moment erscheint Henryk auf dem Bildschirm.

HENRYK
(redet sofort los)

Du machst mir so einen Druck, ich bin gerade von der Arbeit gekommen.

Halina starrt  benommen den Bildschirm an.

 HENRYK
(weiter)

Du kannst es kaum erwarten und ich bin müde, verdammt!

 HALINA

Aber du warst im Komputer immer um 7 Uhr und jetzt ist schon fast 9. Zwei Stunden habe ich gewartet, aber ich kenne mich damit nicht aus (zeigt auf den Komputer), und wahrscheinlich ist das meine Schuld, habe was verstellt,  entschuldige… wenn du willst, nehme ich Überstuden in der Küche und zahle das teure Telefon.

HENRYK
(beschämt)

Gut, gut, ist schon gut.

HALINA

Und du bist nicht sauer.

 Henryk schüttelt den Kopf.

Halina küsst erleichtert den Bildschirm, redet zuerst zögernd, dann immer schneller.

HALINA

Ich war heute in der Kirche, habe das rote Mäntelchen, was du geschickt hast Zosia angezogen und die Kaczmarska, du weisst, die über der Kneipe wohnt, hat sooo geglotzt. Und weisst du, was der Pfarrer bei der Predigt gesagt hat? Was für ne Schande, die Grzeszczyk, die mit zwei Kindern, die hatte was mit dem Lehrer, den Jungen, ja, und sie ist mit ihm abgehauen, in die Stadt, hat zwei Kinder allein gelassen. Der arme, alte Grzeszczyk. Was macht er bloss alleine mit den Kindern? Anständige Menschen würden so was nie tun, nicht wahr?

Henryk murmelt etwas unter der Nase, was man nicht verstehen kann.

HALINA
(weiter)

He…Wieso redest du so leise? Was ist los?

HENRYK

Ich habe Kopfweh Halina,…  wir müssen ernsthaft miteinander sprechen.

Halina wird auf einmal sehr traurig.

HALINA

Aber wir reden doch! … Ach so –  das Geld! Das ist nicht angekommen, seit drei Monaten nicht, wie ich dir gesagt habe. Aber ich habe alle Rechnungen bezahlt (stolz). Habe gespart. Warte mal!

Sie verschwindet aus dem Zimmer. Henryk dreht sich von dem Bildschirm weg, hinter ihm in einem ungemachten Bett liegt eine Gestalt. Die Gestalt erhebt sich, geht auf Henryk zu, schlingt die schlanken Arme um Henryks Rücken. Es ist Sara (29), schwarz und sehr hübsch. Henryk schaut ängstlich in die Kamera:

SARA

Are you going to tell her? You have to tell her, finally.

HENRYK
(küsst Sara schnell in den Nacken, leise mit polnischem Akzent)

Let me do it myself.

Sara verschwindet im Bett und in diesem Moment hört man Halinas Stimme.

HALINA

Schau mal, Strom, Gas, alles… (stolz zeigt sie die Rechnungen in die Kamera), habe gespart.

HENRYK

Es geht nicht darum, Halina…

HALINA
(spielerisch)

Warte, wir reden gleich. Weiss mein Bärchen noch, was er am meisten in der Welt, mag?

Halina springt wieder von ihrem Stuhl, nimmt eine Decke vom Bett, bekreuzigt sich schnell und verdeckt das Bild von Mutter Maria mit der Decke. Sie stellt sich vor dem Bildschirm und mit dem Eifer eines Leiens knöpft sie ihr Kleid auf, und führt eine Art Streptease vor. Henryk wendet den Blick ab, geniert. Halina entkleidet sich jedoch unbeiirt weiter. Man sieht ihren billigen weissen BH aus falscher Spitze. Man sieht, dass sie leichtes Übergewicht hat. Halina ist so in ihren Sexy-Tanz versunken, dass sie erst, als Henryk schreit, die Augen öffnet und aufhört.

HENRYK

Halina hör auf! Hör endlich auf!

Halina bedeckt sich verschämt mit ihrem Kleid.

HALINA

Das wolltest du doch immer, hast darum gebeten.

HENRYK
(senkt den Kopf)

Halina, das ist lächerlich, wir sind erwachsen.

Halina schaut jetzt aufmerksam in die Ecke des Bildschirms, sie sieht die Glut einer Zigarette, einen Frauenarm.

HENRYK

Ich komme nicht zum Osterfest aus Irland, (senkt den Blick) ich komme nicht… In Irland…

Man hört das Weinen eines Kindes.

HALINA
(lauscht)

Es ist Zosia…Warte mal.

Halina geht mit festen Schritten aus dem Zimmer, aber plötzlich bleibt sie im Türrahmen stehen. Das Kind weint noch lauter. Halina atmet schwer, knöpft ihr Kleid hastig zu. Sie stützt ihre Wange an den Türrahmen, die Augen weit aufgerissen…., atmet tief durch,  geht  entschieden in das Kinderzimmer. Nach einer Weile hört das Kind zu weinen auf und Halina erscheint wieder – mit einem Heft in der Hand. Unterwegs zum Bildschirm setzt sie ein Lächeln auf.

Sie setzt sich vor dem Bildschirm und zeigt das Bild, welches Zosia gemalt hat, ein Haus, eine Familie, wie es eine 5-jährige halt malt.

HALINA

In dem ganzen Kindergarten malt sie am Besten, siehst du? Die Erzieherin sagt es. Kannst du es sehen?

Sie nähert das Heft dem Bildschirm.

HENRYK
(nickt)

Küsse die Beiden von mir, Janek auch. Spielt er oft mit dem Komputer?

HALINA

Den ganzen Tag, wenn ich es erlaubt hätte. Er kennt sich gut aus.

HENRYK
(betroffen)

Lass uns morgen reden. Gute Nacht.

HALINA

Ja. Gute Nacht.

Henryk  verschwindet vom Bildschirm.  Halina sitzt noch eine Weile da, den Blick auf das Bildschirm geheftet, dann erhebt sie sich und geht auf das Bild der Mutter Maria zu, zieht die Bettdecke von dem Bild, schau zu ihr hoch..

HALINA

Liebe Mutter wirst du uns helfen?

ENDE

PS: Seitdem die große Arbeits-Emigration der polnischen, vor allem männlichen Arbeiter begann, spricht man von einer erhöhten Scheidungsquote in Polen. Statistiken zeigen, dass unter den 600.000 Paaren, die getrennt leben (meistens er – in England oder Irland, und sie, mit den Kindern, in Polen), nur 200.000 die harte Zeit der Trennung überstehen werden.

Kenia V

Persische Gattin das letzte Mal aus Kenia: Vor der Abreise

Naturpark

Es sind schon fast zwei Wochen vergangen, seitdem wir nach Kenia gekommen sind und ich erwische mich dabei, dass ich davon träume, hier für immer zu bleiben. Für immer den herrlichen Blick auf das Ozean haben, die Lufttemperatur von etwa 28 Grad, und die Sonne die über 300 Tage im Jahr scheint.

Heute fahren wir zu dem Rene Haller Natur Park und ich werde wieder an den unfruchtbaren Boden der Tatsachen geholt. Aus dem Tuc Tuc sehe ich eine mit einer hohen Mauer umzäunte Siedlung. Auf der Mauer hat man Stacheldraht und Glassplitter angebracht, um die wohlhabenden Einwohner vor  Einbrechern zu schützen. Ein Kenianer in Uniform und mit einer Waffe ausgestattet, patrouilliert das Gelände. Für immer hinter einer Mauer mit Stacheldraht zu leben? Eine schauderhafte Vorstellung. Als eine Mzungu, eine Weiße in Kenia hätte ich gar keine andere Wahl. Und so muss ich mich von meinen Träumen, in Paradies zu leben, verabschieden.

Wir steigen aus dem Tuc Tuc vor dem Tor des Rene Haller Natur Parks, der 1999 nach einem Deutschen benannt wurde. Rene Haller war ein bekannter Wissenschaftler, seine Spezialgebiete: Renaturalisierung und Ökologie. Der Abenteurer hat in 50. Jahren in Tansania am Fuß des Kilimandscharo eine Kaffeeplantage aufgebaut, um danach in Kenia bei der Industriefirma “Bamburi Cement” den Posten des Leiters der Landwirtschaftsabteilung zu übernehmen.

Als Rene Haller 1970 das Experiment ” Natur Park” begonnen hat, stand er vor einer einige Quadratkilometer großen Steinwüste. Nach Hunderten von Rückschlägen hat er endlich erschaffen, was heute eine der größten Attraktionen Kenias ist. Eine  Dschungel, in der heute zahlreiche Nilwarane, Krokodile, Zebras, riesige Schildkröten, Antilopen, Affen leben. Vor allem aber die zwei hier lebenden Nilpferde ziehen viele Touristen an. Die Vielfalt an Pflanzen ist atemberaubend.

HipposxEs ist unglaublich, dass das Experiment – ein Paradies mit wilden Tieren und bunten Vögel – geglückt ist, denn das Areal ist nur etwa 500 Meter von der Zementfabrik und etwa 100 Meter von einem riesigen Einkaufszentrum entfernt.

Reifen und GiraffenxSchon vor dem Eingang begrüßen uns zwei frei laufende Giraffen, ein Stück weiter, die Riesenschildkröten, die sich in der Sonne wärmen und uns an starren. Bei dem Eingang zahlen wir die Eintrittsgelder – es sind 15 Euro pro Person, die Einheimischen zahlen aber nur ein Bruchteil davon, sonst wäre der Eintritt für die Mehrheit unerschwinglich.

Ein paar Schritte vor dem Eingangstor entfernt, auf einer schönen Wiese, fotografiert sich eine Hochzeitsgesellschaft. Die Frauen in den bauschigen, mit Glitzer besetzten Kleidern sehen in dieser Umgebung abstrakt aus. Es bringt sicherlich etwas Geld, wenn die reichen Kenianer, ein Teil ihrer Hochzeit hier feiern dürfen.

Krokodil 1xWir gehen weiter einen Pfad entlang zu den Krokodilen, eine Mücke sticht mich, ich töte sie, auf der Haut meines Oberarms merke ich verschmiertes Blut. Bis jetzt habe ich mir keine Gedanken wegen der trophischen Krankheiten gemacht, wir wurden in Deutschland gegen Gelbfieber geimpft und in unserem Koffer liegt eine Packung Malaron gegen Malaria. Jetzt wird mir aber etwas mulmig, was wenn die Mücke infiziert war? Erwache ich morgen mit hohem Fieber, schmerzenden Beinen, zitternd, mit Schweißausbrüchen?

Ich versuche die Gedanken zu verscheuchen und beobachte die Krokodile, die unbeweglich mit geöffneten Mäulern im Grass liegen. Ein Mitarbeiter des Parks kommt auf uns zu und informiert uns, dass gleich die Giraffen gefuttert werden. Wir eilen in die gezeigte Richtung und erblicken die majestätischen Tiere mit den enorm langen Wimpern, ihr Gehege hat keinen Zaun, eine Seite ist mit alten Autoreifen versperrt. Ein Wächter verkauft kleine Tütchen mit Futter, die Touristen futtern die Giraffen selbst.

Giraffe 1xIch erblicke die Tiere, wie sie auf uns zu rennen. Eine junge Giraffe steck ihre Zunge heraus um aus meiner Handfläche das Futter abzulecken. Es ist ein unglaubliches Gefühl die raue Zunge der Giraffe auf meiner Hand zu spüren. Ein kleines Äffchen bettelt um das Futter, ich beuge mich zu ihm, es nimmt das Futter, wie ein Mensch, direkt aus meiner Hand. Ich freue mich wie ein Kind.

Wir gehen hinter dem Wächter her, jetzt werden die Nilpferde  gefuttert. Man warnt uns das Gehege nicht zu betreten, Nilpferde sehen nur so niedlich aus, sie können aber sehr gefährlich werden. Fast eine Stunde schauen wir verzaubert zu, wie die Hippos das Futter mit den großen Mäulern mampfen, und wie die kleinen, flinken Schurken-Affen ihnen das Essen vor der Nase klauen.

Bombolulu

Am nächsten Tag wollen wir das Bombolulu Kultur Zentrum besichtigen, das 1969 von der Vereinigung der Körperbehinderten gegründet wurde. Auf einem umzäunten Gelände befinden sich Häuser, Werkstätte, ein Kindergarten und vieles mehr, was den vielen behinderten Menschen aus ganz Kenia ermöglicht, ein normales Leben zu führen. Vor allem werden hier blinde und taubstumme Menschen beruflich ausgebildet.

Schmuck-WerkstattxWir zahlen den Eintritt und werden von Mahmud, der fast blind ist und eine dicke Brille trägt, durch das Gelände geführt. Mahmud klagt, dass  die Weltwirtschaftskrise auch diese Einrichtung nicht geschont hat. Vorher haben hier sehr viele Menschen gearbeitet, sie sind nun entlassen worden. Es gibt nicht genug Anfragen nach der Ware, die hier produziert wird. Viele behinderte Kenianer mussten in ihre Dörfer zurück.

Wir besichtigen die Werkstätte und tatsächlich: es wird hier nur wenig gearbeitet. Nur eine Schneiderin näht in einem großen Raum, alle übrigen Nähmaschinen sind unbesetzt. Es gibt nur wenige Kunden die hier Kleidung bestellen. Auch in dem Rollstuhl- und Fahrradwerkstatt sitzen die Arbeiter in den bestellten, aber nicht abgeholten Rollstühlen, und lassen sich gerne, aus Langeweile, von mir ablichten.

Nur in der Schmuck- und Lederwerkstatt läuft die Arbeit wie früher. Schmuck und Lederware finden immer noch ihre Abnehmer. In der Schmuckwerkstatt begeistern mich Ohrringe und Armbänder, die aus Coca-Cola- oder Sprite-Dosen gemacht werden. In der Lederwerkstatt muss ich an das kommunistische Polen denken, als ich auf der Wand ein Bild von Stalin und die Aufschrift: “Quality starts with you!” erblicke.

Quality - LederwerkstattxAuf dem Gelände befindet sich ein Restaurant, Mahmud führt uns dahin und bei den Getränken wird uns eine Tanz-Show angeboten, obwohl wir die einzigen Touristen sind. Etwa 10 junge Kenianer singen und tanzen nur für uns. Es ist schön zu sehen mit welcher Freude, sie ihre traditionellen Tänze vorführen.

Tanzen 1xAli der Kameltreiber

Am Abend gehen wir zum Strand, um uns von dem Ozean und auch von Kenia zu verabschieden. Morgen kehren wir in das kalte, regnerische Deutschland zurück. Ein hochgewachsener Mann fragt mich, ob ich mit seinem Kamel eine Runde drehen möchte, damit das Tier sein Futter verdienen kann.

Ali und Kamel 2x

Ich blicke zu dem Kamel hoch, ich sehe das Brandmall des Besitzers auf der gutmütigen Schnauze und willige ein. Ich schaukele gemächlich auf dem Rücken des Kamels, der Jackie Brown heißt, und mein persischer Mann unterhält sich mit Ali. Ali erzählt, dass er aus Somalia stammt und ist wirklich froh, dass er dem Bürgerkrieg und dem Hunger mit seiner Frau und zwei Kinder entfliehen konnte. Er ist hier zwar nur ein einfacher Kameltreiber, aber muss nicht mehr um das Leben seiner Söhne zittern. Das Kamel gehört ihm nicht, noch nicht, aber er ist zuversichtlich, dass er Jackie Brown, wenn er genug Geld beisammen hat, dem Besitzer abkaufen kann. Ali zündet sich seine Feierabend-Zigarette, blickt zu mir hoch und lächelt breit. Ich schaue zum Wasser und sehe junge Kenianer, die fröhlich im Wasser oder am Strand spielen und möchte dieses Bild von Kenia behalten.

Am nächsten Tag in der Morgendämmerung werden wir mit einem Bus zum Flughafen nach Mombasa gebracht. Ich bin seltsam traurig, als ich aus dem Fenster blicke, und Sätze wie “Afrika wird dich verzaubern” oder “ein unvergessliches Paradies” schießen mir durch den Kopf. Ich ertappe mich dabei, dass ich in Sätzen wie aus einem Reisekatalog denke und schäme mich. Doch genau das empfinde ich – Afrika hat mich verzaubert, verhext, und ich weiß – ich werde wieder kommen.  “Jambo, jambo, Africa yeti, acuna matata”.

Kenia IV – Safari und die Massai

Persische Gattin

JeepKHeute fahren wir auf Safari, zu einem von unserem Hotel 150 Kilometer entferntem Safari Camp in dem Tsavo Park. Schon um 6 Uhr morgen treffen wir, zusammen mit etwa 10 weiteren Teilnehmer den Reiseführer. Wir fahren mit einem klimatisierten Bus, jedem wird zur Begrüßung eine Flasche Wasser ausgehändigt.

Der Reiseführer, ein etwa 40-jähriger Kenianer, spricht natürlich ein paar Fremdsprachen, drunter selbstverständlich auch Deutsch. Mit viel Humor und einer unglaublichen Leichtigkeit erzählt er Geschichten über die “Big Five”: den Elefanten, den Nashorn, den Leopard, den Büffel und den Löwen. Diese Klassifizierung hat mit der Größe der Tiere nicht zu tun, sondern wurde von den Jäger festgelegt – ausschlaggebend waren die Schwierigkeiten bei der Jagd. Der Reiseführer warnt von unbekümmerten Verhalten während des Safaris. Man darf den Jeep nicht verlassen, in der Savanne leben wilde Raubtiere, es sind keine Hauskatzen. Um diese Warnung zu unterstützen, erzählt er die Geschichte der Menschenfressers. Im Jahre 1898, als die Briten die Uganda-Bahn gebaut haben, die von Mombasa über Nairobi bis zu der kenianischen Grenze führt, wurden 28 indische Arbeiter von nur zwei Löwen gefressen. Die Briten haben Arbeiter aus Indien geholt, da sie schon Erfahrung bei dem Bau der indischen Bahn hatten. Die Geschichte der armen, von Löwen verspeisten Inder wurde sogar in Hollywood verfilmt, der Film heißt: “Der Geist und die Dunkelheit”.

Vor dem Tor des Tsavo-Parks verlassen wir den klimatisierten Bus und werden den Jeep´s zugeordnet, in jeden solchen Geländewagen mit offenem Dach passen 6 Leute, der Beifahrer und der Fahrer, der gleichzeitig auch die Rolle eines Safari-Guides übernimmt.

Bevor wir losfahren, platzt in den Wagen ein junger Kenianer und mit viel Witz preist er Safari Hute an. Die Hute sind schlecht genäht, und sehr kitschig – mit den Giraffen-, oder Nashorn-Prints, aber schon nach ein paar Sätzen verspüre ich das Bedürfnis den Hut zu besitzen. Ein Hut kostet 15 Euro, was sogar in Deutschland überteuert wäre. Ich muss aber zugeben, dass der Junge die Hute so geschickt vermarktet, dass er in jedem europäischen Land bestimmt Karriere in Marketing gemacht hätte. Ich kaufe den Hut, und rede mir ein, dass ich auf diese Weise den armen Kenianer helfe. Es ist nur eine Ausrede, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, denn ich spüre, dass ich mich wieder wie das “weiße Fleisch”, welches man austricksen kann, behandeln lasse.

Mein persischer Mann geht mit dem Problem viel natürlicher um. Er kauft nur etwas ab, wenn es ihm wirklich gefällt, dafür spricht er aber mit den Menschen, erfährt etwas über ihre Probleme, sie fühlen sich dadurch wertvoller, und er erntet viel Respekt, an welchem ich auch teilnehme. Sogar die Beach-Boys am Strand lassen mich in Ruhe, wenn ich ihnen mitteile, dass ich “Mama Mohammad” bin. Es ist mir auch klar, dass nur eine kleine Gruppe Kenianer Profite macht, und zwar die, die Zugang zu den weißen Touristen hat. Das Land ist korrumpiert, und es herrscht Klan-Denken. Zuerst werden die Leute aus dem eigenen Klan versorgt. Mit den selben Gedanken schlagen sich bestimmt die Hilfsorganisationen rum: wie kann man Afrika am besten helfen? Welcher Art soll die Hilfe sein? Dieses Problem löse ich bestimmt nicht. Dafür beschließe ich weiter, Suaheli zu lernen, da ich sehe, dass es mir nicht nur Spaß macht, es bringt mich auch den Kenianer näher.

Im Camp habe ich gleich Gelegenheit dazu. Mitten in der Savanne werden für uns Tische aufgestellt, weiße Tischdecken flattern in der leichten Brise, und es wird ein 3-Gänge Menü serviert. Ich bestelle bei dem Koch auf Suaheli: “Kuku tafadhali” – “Den Huhn bitte“. Und schon leuchten seine Milchweißen Zähne in einem breiten Lächeln. Der Koch möchte wissen woher ich komme und wir unterhalten uns eine Weile.

Rote ErdeKNach dem Essen fahren wir weiter, und das erste Mal im Leben sehe ich rote Elefanten. Die Tiere wälzen sich in der Erde (die Erde des Tsavo-Parks ist rot), um die empfindliche Haut vor der glühenden Sonne zu schützen. Es macht mich glücklich die Elefantenherde zu beobachten. Ich rufe den Elefanten zu: “kommt her, kommt näher”, da ich ein Foto knipsen möchte – und bereue es sofort. Plötzlich setzt sich einer der Elefanten in Bewegung und rennt auf unseren Jeep zu, die Erde bebt unter dem Kolos. Mein Mann schreit: der Elefant, er rammt uns gleich! Der Fahrer startet den Wagen und wir fahren los. Glücklicherweise ist der Elefant zu faul, um uns zu verfolgen und nach paar Schritten bleibt er stehen. Wir kommen mit einem Schrecken davon, der Fahrer erklärt lachend, dass die Elefanten gerade sehr reizbar sind, da sie sich in Paarungszeit befinden. Als wir ein paar Minuten später eine Löwen-Familie unter einem Baum sehen, niemand möchte näher rankommen, obwohl die Löwen mit dem Nachwuchs sehr friedlich aussehen.

SlonKAbends, nach einem königlichen Abendessen gehen wir in unsere Zelte. Die Zelte, was mich wieder vom Hocker haut, sind luxuriös ausgestattet: es gibt zwei Betten, einen Schrank und einen Stuhl alles in Kolonialstill, es gibt auch Strom und in Bad flauschige Handtücher, duftende Seifen, eine Toilette und Dusche.

Da ich noch nicht schlafen will, gehe ich mit einer Taschenlampe raus aus dem Zelt und denke, falls die Löwen oder Elefanten oder noch schlimmer Büffel unseren Camp angreifen, werden mir die Wächter, die das Gelände Tag und Nacht patrouillieren, schon Bescheid sagen. Ich leuchte mit der Taschenlampe in die Dunkelheit und plötzlich sehe ich dutzende glänzenden Augen, die mich aus der Dunkelheit anstarren. Es sind die Gazellen, die an der Wasserstelle nahe dem Camp sich in Sicherheit vor den Raubtieren fühlen. In der Nacht raschelt es und knurrt neben dem Zelt, und mein Mann kann nicht schlafen, ich selber höre aber gar nichts und schlafe wie ein Stein.

Die Massai

Am nächsten Tag fragt uns der Fahrer und Guide in einer Person, ob wir einen Massai-Dorf besichtigen wollen. Ich will es unbedingt, da ich das Buch “Die weiße Massai” in Erinnerung habe, und will mit eigenen Augen sehen, was die Autorin an dem Volk so fasziniert hat, dass sie ihr geregeltes Leben in der Schweiz hinter sich gelassen hat, um mit einem Massai-Krieger in einer Hütte aus Kuhmist zu leben.

Massai FrauenKAls ich das Dorf erblicke, verstehe ich sofort, dass so eine Beziehung zum Scheitern verurteilt sein musste, und staune über die Naivität der “weißen Massai”.

Die Manyattas, die Hütten, die von Frauen aus Kuhmist gebaut werden, sind niedrig und dunkel. Es gibt eine Feuerstelle in der Mitte und einen Schlafplatz. In der Ecke hausen Hühner.

In der Mitte des Dorfes erblicke ich schmutzige Plastikeimer mit fermentierender Milch. Es gibt so viele Fliegen, dass man den Eindruck hat, die Milch ist schwarz.

Ein junger Massai in traditioneller Kleidung führt uns durch das Dorf und antwortet bereitwillig meine Fragen (die restlichen Teilnehmer der Gruppe sind schockiert wegen der hygienischen Umstände und schweigen entsetzt). Der junge Krieger erzählt von der Bedeutung der Tiere für sein Volk. Sie besitzen vor allem Ziegen, aber auch einige Kühe. Er sagt, dass die Massai  glauben, alle Tiere in der Welt ihnen gehören. Und wenn sie Tiere anderer Stämme zu sich holen, es ist kein Diebstahl, sie nehmen  nur zurück das, was schon ihnen gehört, Ich muss schmunzeln, als ich es höre, da ich an das Buch von Henryk Sienkiewicz “W pustyni i w puszczy” (Durch Wüste und Wildnis) denken muss. Eine der Figuren im Buch ist ein junger Afrikaner Namens Kali, der behauptet: wenn Kali ein Kuh klaut – es ist gut, wenn eine Kuh dem Kali gestohlen wird – sehr schlecht. In Polen heißt es seitdem “Das Kali Moral”.

Massai KriegerK

Die Massai führen uns vor, wie man Feuer macht – indem sie zwei Holzstücke gegeneinander reiben und Elefantenmist darunter legen. Schon nach ein paar Sekunden fängt es an zu brennen. Ich probiere es auch, und es gelingt. Die Massai tanzen für uns ihre traditionellen Tänze: die Frauen heben rhythmisch die Schulter und der riesige Halsschmuck zuckt mit: nach oben und nach unten, die schlanken, jungen Krieger springen so hoch, wie sie es schaffen, manchmal über ein Meter. Sie sind graziös und schön mit ihrer Krieger-Bemalung, dem bunten Schmuck und der glänzenden Haut. Und das erste Mal kann ich etwas die weiße Massai verstehen, da auch an mir ein junger Krieger in einem weißen Kanga-Tuch “klebt” und trotz der Anwesenheit meines Mannes schöne Augen macht. Zuerst  fühle ich mich geschmeichelt, dann aber gewinnt die Vernunft: Der junge Krieger versucht nur sein Glück – es ist gut mit einer Mzungu, einer Weißen, liiert zu sein, denn in deren Augen sind wir alle enorm reich.

Massai KinderKPlötzlich gesellen sich uns die Kinder – sie sind so hübsch und so fröhlich! Ich mache ihnen unzählige Fotos und sie haben viel Spaß dabei, sich selber auf dem Display der Kamera zu sehen. Ich merke, dass ihre kleinen, kurzgeschorenen Köpfchen von einem Pilz befallen sind, sie riechen auch etwas nach Schmutz und Urin. Erst jetzt wird mir klar, dass es in der Umgebung keine Wasserstelle gibt, und dass die Frauen das Wasser jeden Tag von weitem schleppen müssen. Das Wasser ist zu kostbar, um damit die Kinder zu waschen.

Ich erfahre, dass viele Massai-Kinder zur Schule gehen, so will es die Regierung. Wer das eigene Kind nicht zur Schule schickt, muss eine Strafe zahlen. Die Väter, die alle Entscheidungen in der Familie treffen, weigern sich jedoch oft die Kinder hin zu schicken. Die Kinder bekommen da sehr wenig zum Essen – erklärt mir der junge Massai-Krieger. Bei uns, im Dorf, hingegen haben sie Milch und Fleisch, mindestens zwei Mal am Tag – beteuert er.

Ich habe noch so viele Fragen, die ich gerne den Frauen stellen würde, ich weiß z.B., dass die jungen Mädchen vor der Heiratsnacht immer noch beschnitten werden, aber wenn ich sie anspreche, kichern die Mädchen nur, und die älteren Frauen machen kehrt und verschwinden in ihren Manyattas. Auch die Alten des Dorfes,  als sie uns, die Mzungus, erblicken, spucken mit der Kautabak auf den roten, staubigen Boden und entfernen sich stolz und schweigend.

Fortsetzung folgt nächste Woche…

Kenia III – Mombasa

Persische Gattin

Mombasa

Am nächsten Tag “wagen” wir, mein Mann und ich, die Hotelanlage zu verlassen und nach Mombasa zu fahren, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Für uns ist es ganz normal, dass wir die Umgebung zu Zweit besichtigen wollen, nicht aber für die anderen Gäste des Hotels. Ein deutsches Ehepaar schüttelt fast synchron den Kopf: “alleine in die Stadt fahren, mit den stinkenden Bussen, das wäre nichts für uns”. Sie entscheiden sich paar Tage später doch Mombasa mit einer organisierten Gruppe und einem von dem Hotel eingestellten Reiseführer zu besichtigen, bricht aber den Ausflug schnell ab. “Die Gassen so schmal und schmutzig, und alles so stinkend – das muss man im Urlaub nun wirklich nicht haben“, erklären sie uns beim Abendessen.

Mombasa4 Nun fahren wir mit einem der einheimischen Buse Richtung Mombasa. Immer wieder steigt jemand zu, der Bus ist  fast voll. Wenn man aussteigen möchte, klopft man an die Blechwand des Busses und der Fahrer hält abrupt am Straßenrand an.  Gerade ist ein Ehepaar eingestiegen: eine Frau mit zwei Kinder, die aus den um den Körper der jungen Mutter gewickelten Tüchern hängen, und ihr Mann. Der Kassierer – ein flotter und frecher, junger Kenianer, der an jedem Zwischenstopp neue Passagiere anwirbt, hat nun keinen Sitzplatz und muss in gebückter Haltung in dem fahrendem Bus stehen. Später erfahren wir, dass die “Bus-Kassierer” genau wissen, wo Polizeikontrollen stattfinden und sich vor so einem Kontrollpunkt  zusätzlicher Passagiere, für welche es keinen Sitzplatz gibt “entledigen” . Die rausgeschmissene Kenianer nehmen das aber mit einer stoischen Ruhe und warten einfach auf den nächsten Bus.

Mombasa6Der “Bus-Kassierer” gibt uns das Restgeld aus. Er hält die Scheine zusammengefaltet zwischen allen fünf Finger der rechten Hand, so hat er beim Wechseln einen besseren Überblick. Ich gebe der Mutter der Kinder Süßigkeiten für die Kleinen, obwohl ich weiß, dass UNICEF, UNO und andere “Heiligen” es nicht empfehlen, es sei schlecht für die Zähne der Afrikaner. Aber nachdem ich gestern gesehen habe, dass die kenianischen Kinder mit dem erbettelten Geld sofort in den Supermarkt laufen, um sich etwas Süßes zu kaufen, sind mir diese Empfehlungen egal, denn die Herren in den hohen Institutionen kennen Kenia anscheinend nur aus den Statistiken.
Mombasa0
Seit gestern streiten wir uns mit meinem Mann, da ich so sehr mit den Menschen in Kenia Mitleid habe, dass ich am liebsten jedem Geld in die Hand drücken würde. Mein Mann sagt aber, die Leute, die mit Touristen arbeiten, haben hier genug zum Leben. Wenn schon helfen, dann  denen, die wirklich arm sind. Aber mir scheinen fast alle hier sehr arm zu sein.

Mombasa2In dem Bazar von Mombasa vergesse ich die Meinungsverschiedenheiten. Es gibt so viele Farben, so viele Gerüche, so viele Speisen und unzähligen Gewürze – Mombasa war schon vor paar Jahrhunderten ein Potentat in Gewürzhandel. Ich zucke mein Fotoapparat und möchte ein Bild machen… Plötzlich ein Lärm, ein Getümmel – mehrere Frauen schreien, ich merke, dass der Ärger mir gilt.

Mein persischer Mann kapiert als erster, dass die Frauen Moslem sind und nicht wünschen, fotografiert zu werden. Ich stecke das Fotoapparat weg und sage in Suaheli: Pole –  was so viel wie “Entschuldigung” bedeutet, und Saua – was “ok”  bedeutet und deute daraufhin, dass ich  keine Absichten mehr habe, Fotos zu knipsen: Akuna Matata – Kein Problem! Die Gesichter der Frauen erhellen sich: diese Weiße – diese Mzungu – spricht Suaheli!  (was natürlich nicht stimmt). Aber diese paar aufgeschnappten Worte reichen, um die Furien zu besänftigen.  Jede möchte mich in ihr Laden einladen, ihre Stoffe, Töpfe, oder was sie da zu verkaufen hat, präsentieren.

Nach dieser Erfahrung merke ich, dass das Lernen der Sprache ein Mittel ist, um an die Kenianer ranzukommen, und nicht mehr als weißes Fleisch behandelt zu werden.

Mombasa5Wir spazieren durch die Straßen in Mombasa, viel an Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht, obwohl die Stadt mindestens seit 2000 Jahren existiert. An dem Ort, wo sich früher der Sklavenmarkt befand, gibt es nicht Mal eine Infotafel. Außer Fort Jesus – einer Festung, die die Portugiesen gebaut haben, und den Tusk – vier riesigen Elefantenstoßzähnen die die Straße überspannen, ist in der Stadt nicht viel zu sehen. Aber trotzdem macht es Spaß, durch die lebendigen Straßen zu schlendern, die Kenianer bei den Nachmittagsschlaf im Park zu beobachten, die kleinen Läden mit den laut arbeitenden Stromerzeuger zu besuchen, die Jungs in den Schuluniformen, die an den Lianen baumeln, anzufeuern.

Mombasa7Wir gehen in ein Cafe und bestellen zwei Flaschen Cola. In der Ecke brummt ein Fernseher, die Ventilatoren summen an der Decke. Die Ware steht an dem improvisierten Tresen. Die Kellnerin mit einer Netzhaube auf ihrem glatten, schwarzen Haar nähert sich uns langsam mit faulen Katzenschritten. Die Cola ist warm, die drei riesigen Kühlschränke, die an der Wand stehen, funktionieren nicht. Nach ein paar Minuten verlassen die letzten Gäste das Cafe, eine der Kellnerinnen sammelt Zuckerdosen von den Tischen, die zweite gesellt sich zu ihr. Sie schütteln den Zucker auf die Handflächen und lecken es kichernd ab, sie tuscheln und wieder wird der Zucker geschüttelt und abgeleckt. Wir fragen wie viel sie in dem Cafe verdienen – 300 Schilling (etwa 3 Euro) am Tag. Obwohl die Mädels ständig mit Touristen in Berührung kommen, gibt mein Mann ihnen, trotz seiner Vorsätze,  ein gutes Trinkgeld.

Mombasa3Wir gehen in die Altstadt, an den kleinen Gassen gibt es Läden mit alten Möbel, Antiquitäten, Handwerk: Sandalen, Holzschnitzerei und Fischläden – in welche Katzen rein und raus spazieren, Fischköpfe und Innereien essen, oder einfach auf dem Betonboden schlafen, und niemand vertreibt sie. Die Verkäufer sind  nicht darauf bedacht “den weißen Mann” zum Kaufen zu zwingen, wie die Beach Boys, die Preise sind für uns genauso hoch (oder besser niedrig) wie für die Einheimischen. Wir gehen in einen Schuhladen, um Sandaletten zu kaufen. Der Verkäufer lächelt uns an, und als er merkt, dass wir handeln wollen, reibt er die Hände und feilscht mit meinem Mann mit großen Vergnügen. Ich beobachte, wie mein persischer Mann und der Sandalenhändler aufgeregt und sichtlich vergnügt sich miteinander unterhalten, und denke, dass man dieses Kenia aus der Perspektive der Hotelanlage nicht zu sehen bekommt.

Es ist später Nachmittag und wir müssen aber in die Hotelanlage zurück.

Affe

Angekommen  mache ich die Balkontür auf und sehe das erste Mal die Affen.  Die Hotelangestellten  haben uns vor ihnen gewarnt, dass sie in die Zimmer kommen und auf der Suche nach Essbarem, alles verwüsten, und dass man sie nicht futtern soll. In diesem Moment ist es mir aber egal und ich futtere die Äffchen. Die stärkeren und größeren Exemplare nehmen den Kleinen oder den Mütter mit Kleinkinder die Bananen weg, schlagen sie und jagen weg. Das holt mich wieder an den Boden der Tatsachen – wir sind in Kenia – Kenia ist kein Zuckerschlecken. Hier kämpft man ums pure Überleben.

Fortsetzung folgt in einer Woche…

Kenia II – Carlos

Persische Gattin in Kenia:

Carlos

Ein Vormittag lang faulenzen wir in der Hotelanlage, doch es wird uns schnell langweilig am Pool und wir beschließen, zu dem naheliegenden Einkaufszentrum zu fahren, wir wollen ein Moskitonetz kaufen. Im Hotel rät man uns, einen Taxi zu nehmen, doch wir wollen so fahren, wie die Einheimischen – und zwar mit einem Tuc Tuc.

Tuc Tuc

Als wir das von den Wächter bewachte Tor der Hotelanlage verlassen, warten schon vor dem Zaun die Beach Boys und bieten ihre Dienste an, sie werden uns gleich einen günstigen Tuc Tuc rufen. Einer davon – er will,  dass will ihn Carlos nennen, obwohl er in Wirklichkeit Hamisi heißt –  möchte uns unbedingt begleiten, so nehmen wir ihn mit dem Tuc Tuc mit. Carlos erklärt, wieso er so heißen wollte:  er mag Fußball spielen, und einer der Spieler, den er verehrt heißt nun Mal Carlos. Alle im Dorf kennen ihn jetzt schon bei diesem Namen, nur seine Mutter nennt ihn noch Hamisi.

Carlos 1

Vor dem abgezäunten Gelände des Einkaufszentrum stehen uniformierte Beamten, mit einem Metalldetektor scannen sie unsere Körper und Taschen. Wir gehen in das Einkaufszentrum rein. Es überrascht uns die Fülle des Angebots – hier gibt es alles, wovon die meisten Kenianer nur träumen können.  Man verkauft überwiegend Produkte aus Europa oder aus der USA, die dementsprechend auch sehr teuer sind, teurer als in Deutschland. Im ersten Stock, in der Möbelabteilung gibt es auch Moskitonetze.  Carlos begutachtet ein großes Bett in Kolonialstill, und staunt,  dass ein Bett 400 Euro kosten kann. Mein Mann klärt ihn auf – das Bett kostet 4000 Euro, und Carlos ist aus dem Häuschen.

Geschäfte (2)

Wir laden Carlos zum Eis essen ein. Im Restaurant wirkt Carlos plötzlich verloren und schüchtern.  Er hat es vom draußen zwar gesehen, aber war noch nie drin. Unter den summenden Ventilatoren sitzen meistens Weiße. Es gibt ein paar Pärchen – das Muster ist gleich: ein Weißer Mann, meistens über 60 in Begleitung einer jungen, viel zu jungen kenianischen Frau, die mit einem traurigen, nachdenklichen Gesicht,  an ihrem Orangensaft nippt und Hamburger mit Pommes verzehrt.

Carlos erzählt, dass er gerne mit den Computer arbeiten würde, aber er besitzt keinen Schullabschluss , obwohl er zur Schule gegangen ist, und ohne einen Abschluss will ihn niemand einstellen. (Es gibt Schulpflicht in Kenia, wer die Kinder nicht zur Schule gehen lässt, zahlt Strafe). Wir fragen, wieso sich Carlos nicht um einen Job in einem der zahlreichen Hotels der Nordküste bemüht – er ist schlau genug, er würde es bestimmt schaffen. Aber um an die heißbegehrten Jobs in den Hotels zu kommen, muss man schmieren. Der Mittelmann nimmt um die 200 Euro, und die hat Carlos nun nicht. Carlos Mutter wohnt in einem Dorf, an der Straße nach Malindi. Er hat zwei kleinere Geschwister und keinen Vater. Die Familie wird von Verwandten unterstützt: sie bringen Essen – Polenta, Erbsen, so leben sie –  er, seine Mutter und seine Geschwister. Der Vater von Carlos ist bei einem Unfall gestorben. Groß gestikulierend erzählt Carlos von dem Unfall – der Vater war  Fahrer eines Jeeps, er brachte die Touristen auf Safari. Eines Tages lief ein Elefant über den Weg, sein Vater wollte ausweichen und dann Bumm! Der Vater war auf der Stelle tot, und zwei englische Touristen mit ihm, nur ein weiterer Tourist hat es schwer verletzt überlebt.

Die Kellnerin mit dem Eis erscheint, von nun an isst Carlos schweigsam, genießt das italienische Eis. Mir bleibt das Eis im Hals stecken, die Geschichte des Unfalls erschütterte mich.

Doch als der Eisbecher aufgegessen ist, sagt Carlos offen und mit einem schelmischen Lächeln –  wenn ein afrikanischer Mann einen vollen Bauch hat, denkt er nicht mehr an die Arbeit. Voller Bauch – sonst gar nichts braucht man um glücklich zu sein. Wir müssen wieder schmunzeln, mein Mann und ich.

Als die Kellnerin mit der  Rechnung erscheint, ist Carlos sehr aufgeregt – 800 Schilling (umgerechnet 8 Euro) für die drei Portionen Eis! Für dieses Geld könnte eine Familie drei Tage lang sich satt essen – Polenta, Gemüse, sogar Fisch! Mir wird es wieder mulmig, als ich es höre. Und ich denke darüber nach, dass es vielleicht besser wäre, Carlos etwas Geld zu geben, statt ihn zum Eis einzuladen. Doch mein Mann ist da anderer Meinung: es wäre abwertend und herzlos, dies zu tun. Carlos hat uns begleitet, so muss er auch mit uns das Eis genießen. Nach weiterem Grübeln muss ich ihm Recht geben, doch das mulmige Gefühl verlässt mich nicht.

Bananenverkäufer

Wir entscheiden uns zurück zum Hotel zu Fuß zu gehen. Meine Füße in den Flip Flops sind in kurzer Zeit mit der matschigen, roten Erbe verklebt, es ist Regenzeit, in der Nacht hat es stark geregnet. An einem Stand, direkt an der Straße, wollen wir ein buntes Tuch kaufen. Der Verkäufer informiert  Carlos, dass das Tuch für in 400 Schilling kostet, und für uns, die Weißen, 600. Jetzt verstehe ich, wieso man uns  – “das weiße Fleisch” nennt, aus welchem man versucht so viel Geld wie es nun geht  auszuquetschen. Carlos ist auch empört – die Preise sollen für alle gleich sein, beteuert er. Er schielt zu einem anderen Stand, auf welchem  grüne, etwa 20 Zentimeter lange Zweige mit spärlichen Blättern liegen. Er begrüßt den Verkäufer, die Jungs scheinen sich gut zu kennen. Ich will wissen wozu diese grünen Zweige gut sind. Es ist Miraa – erklärt Carlos. Man kaut die Zweige, dann spuckt man die zerkaute Masse aus,  es ist, wie bei Zigaretten, das Zeug macht abhängig.

Das bunte Treiben auf den Strassen

Im Hotel angelangt geben wir Carlos etwas Geld –  für die Polenta. Carlos fragt, ob ich etwas Kleidung hätte, was ich ihm geben würde, er würde gerne seiner Mutter  ein Geschenk machen. Obwohl ich nicht sicher bin, ob das Geld für die Polenta bestimmt ist  und nicht für Miraa, und ob die Klamotten tatsächlich bei der Mutter landen, packe ich eine Tüte voll mit Blusen und Pullis und überreiche die Tüte Carlos. Carlos geht, sichtlich zufrieden – heute hat er ein gutes Geschäft gemacht.

Fortsetzung folgt in einer Woche

Jambo, jambo, Afrika yeti, Akuna Matata

Persische Gattin ist in Afrika gewesen. Jetzt kommen also ein paar Wochen lang ihre Geschichten über Kenia.

Jambo, jambo, Afrika yeti, Akuna Matata

Es war immer mein Traum nach Afrika zu reisen. Zugegeben, ich hatte  ein romantisches Bild von dem “Schwarzen Kontinent”, das durch das Buch “Out of Africa” von Karen Blixen (in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen bekannt),  geprägt war. Nun sollte der Traum in Erfüllung gehen und wir, mein Ehemann und ich, fahren nach Kenia. Nach einem 7-stündigen Flug landen wir in Mombasa, und ich brenne danach, endlich das erträumte Land zu sehen.

Im Flughafen von Mombasa schlägt mir eine tropische Hitze entgegen. Die Ventilatoren an der niedrigen Decke des sehr sauberen Flughafengebäudes mahlen die heiße Luft. Meine Füße in den gefutterten Halbstiefel brennen wie Feuer, meine Kleidung – Jeans und ein Pulli – werden in paar Minuten nass vom Schweiß, und hier ist nicht mal Sommer, sondern später Herbst. Die Lufttemperatur beträgt etwa 30 Grad, die Luft ist feucht. Die Passagierkontrolle scheint mir dürftig zu sein. Es werden zwar an einem modernen, elektronischen Gerät unsere Fingerabdrücke genommen, aber nach der Zahlung – 40 Euro für jeden für ein Visum, werden wir rasch von einer ungeduldigen Beamtin durchgewinkt.

Draußen sehe ich Palmen, für mich immer das erste Zeichen dafür, dass ich mich in einem exotischen, faszinierenden Land befinde. Wir suchen den Bus unseres Reiseveranstalters. Andere Touristen, überwiegend Deutsche, sind schon da. Ein stämmiger Kenianer steigt auf das Dach des Busses und befestigt unsere Koffer.

Strasse 3a Während der  Fahrt ins Hotel schaue ich neugierig aus dem Fenster. Es ist ein buntes Durcheinander – das Leben spielt sich an der Straße ab. Vor den kleinen und plumpen Häuschen stehen kleine Stände, aus Zweigen und Brettern dürftig zusammengeschustert, alle mit kleiner Dächer aus Pappe und alten Plastiktüten. Es werden Kokosnüsse, Bananen, die schon braun sind, Mangos, aber auch Second- Hand Kleidung und alte Reifen angeboten. Frauen marschieren Stolz und gerade mit Säcken oder Korbs auf dem Kopf.
Strasse-aDer Bus passiert das Tor der bewachten Ferienanlage und nun sehen wir die Welt, die für uns, weiße Touristen, eingerichtet wurde: eine großzügige Empfangshalle mit einem Dach aus Schilfrohr, eine nette und zuvorkommende Hotelangestellte verteilt feuchte, kalte Tücher, die nach Minze duften, und Softdrinks. Ich muss sofort die Schuhe ausziehen, und sie gegen Flip-Flops austauschen. Unsere Koffer werden in die Bungalows getragen, die Angestellten sind hilfsbereit und eifrig, später erfahren wir, dass das Trinkgeld, welches sie für diese Gefälligkeit bekommen, sehr oft mehr ist, als sie am Tag verdienen.

Der uns zugewiesener, sehr saubere Bungalow verfügt über ein Bad und einen riesigen Flachbildschirm-Fernseher, überm Bett hängt ein Moskitonetz. Wir ziehen schnell unsere Badeanzüge an und laufen zum Ozean. Der Ausblick ist überwältigend. Ich will sofort zu dem türkischen Wasser durch den schmalen, feinen Sand laufen, doch ich werde prompt angehalten.

Strand (2)-aAm Strand lauern auf die Touristen Beach Boys und Händler. Sie  versuchen uns etwas einzudrehen, bunte Tücher, Massai-Figuren aus Holz, aber auch eine Safari, oder einfach betteln. Die Kenianer entpuppen sich dabei als echte Polyglotten. Die Amtssprache in Kenia ist Kisuaheli, doch alle am Strand sprechen Englisch, viele auch Französisch und Deutsch. Als sie erfahren, dass ich eine Polin bin, haben sie auch ein paar Worte auf Polnisch parat. Nun ja, ohne Sprachkenntnisse – kein Business.

Im Hotel haben wir für solche Fälle ein paar Ratschläge bekommen, vor allem entschieden zu danken und schnell weiter gehen. Die Betonung auf schnell, denn in Afrika gilt der berühmte Afrika-Speed, die Beach Boys sind langsam, haben keine Lust in der Hitze zu laufen und meistens folgen sie einem nicht,  sondern aufgeben. Als meinen Mann eine schöne junge Frau, die wie eine Gazelle ausschaut, ungeachtet meiner Abwesenheit anspricht und ihn zu einer Ganzkörpermassage, mit “Allem”, überreden will, habe ich endlich genug. Wir springen ins Wasser, die Händler, Beach-Boys und die junge “Masseurin” schauen uns enttäuscht noch lange nach, doch ins Wasser folgen sie uns nicht.

Wir schwimmen in dem wie eine salzige Suppe heißem Indischen Ozean, ich bin überglücklich, denn es ist das erste Mal, dass ich in einem warmen See schwimme, kein Vergleich mit dem frostigen Wasser der Ostsee. Wir haben Glück, es gibt Flut. In ein paar Stunden kommt Ebbe. Das dursichtige, blaue Wasser wird verschwinden, Sandbänke mit Meeresgras werden bloßgelegt, und das Wasser wird  nur knapp über die Knöchel reichen.

Kapitan Ali 1aAls wir von einem Mann mit Strohhut angesprochen werden, entscheiden wir uns kurzerhand  für eine Schiffsfahrt.  Der Mann stellt sich als  Kapitän Ali  vor, sein Schiff ist ein Holz-Boot mit Segel, was er lachend und selbstironisch Afrika-High-Technology  nennt.  Man muss nur für die Fahrt zahlen, die Musik ist umsonst – lockt er. Er ist mir auf Anhieb sehr sympathisch.  Wir fahren durch das blaue Wasser, die Sonne scheint, es ist herrlich in das Ozean zu stechen. Ali ist ein Moslem. In Kenia gibt es nur 20 % Moslems, der Rest sind Christen, aber alle Moslems Kenias scheinen in der Region um Mombasa zu leben. Ali zeigt uns, wo Mekka liegt und um meinen persischen Mann zu überzeugen, dass er ein echter Moslem ist, zitiert er die Suren (was mein Mann allerdings nicht kann). Kapitän Ali freut sich, eine Arbeit zu haben, denn in Kenia sind 40 % der erwerbstätigen Menschen arbeitslos. Das 7 Jahre alte Boot gehört ihm nicht, er muss über die Hälfte seines Gewinns abgeben, aber bei einem guten Tag verdient er etwa 30 Euro, so lässt es sich leben. Seinen zwei Söhnen wird er zwar nie ein Studium bezahlen können, es ist in Kenia sehr teuer, doch sie haben genug zum Essen. – Ein voller Bauch, das ist das wichtigste, lacht er. Ich möchte wissen, für wenn er bei den Präsidentenwahlen, die gerade stattgefunden haben, gestimmt hat? Für den Uhuru (was auf Kisuaheli “Freiheit” bedeutet) Kenyatta, der gewonnen hat oder für seinen Gegner Raila Odinga? Nach einem kurzen Zögern sagt uns Ali, dass er den Kenyatta nicht gewählt hat. Kenyatta gehört dem Stamm der Kikuyu an, und er, Ali, stammt aus dem Volk der Luo. In Kenia ist es so, dass die Machthaber zuerst die eigene Familie, eigene Freunde und das Stammesvolk versorgen, es herrscht eine große Korruption. Doch Kapitän Ali ist froh, dass dieses Mal die Wahlen friedlich verlaufen sind, und nicht wie 2007. –  Wir haben alle geweint, so schlimm war es, erinnert sich Ali, denn wegen der Unruhen sind die Touristen weggeblieben, und die Touristen sind gut, die geben Arbeit und bringen Geld.

schiff-a

Wir schauen nachdenklich zur Küste, zu den luxuriösen Ferienanlagen und Hotels. Das Leben der Menschen, die da ihre Ferien verbringen, unterscheidet sich sehr von dem der Kenianer. Die Hotels gehören dem Kenianer nicht, sondern den Engländer oder den Deutschen. Nur ein Hotel an der Nordküste wird von einem Kenianer und einem Somalier geführt. – Die Somalier sind sehr kluge Leute, sagt Ali. – Sie haben ein Köpfchen für Geschäfte. Viele fliehen aus dem vom Hunger und Bürgerkrieg geplagten Somalia. Und diejenigen, den es gelingt nach Mombasa zu kommen, eröffnen sofort ein Geschäft. Zuerst sind es ein paar Kokosnüsse auf einem auf dem Bürgersteig ausgebreiteten Tuch sind, dann  ein Stand und irgendwann ein Laden.

Das  Gesicht von Ali erhellt sich, als er erfährt, dass ich eine Polin bin. – Oh, die Polen, die sind gut! Wir haben mit ihnen einen Picknick gemacht, frische Fische und Meeresfrüchte gegrillt, denn, was man in den Hotels zum Essen kriegt, liegt meistens monatelang in den Kühlschränken. Kostenpunkt – 25 Euro pro Person. Wir versprechen über dieses Angebot nachzudenken.

Nun nähern wir uns der Küste, und Kapitän Ali bietet uns die versprochene, kostenfreie Musik an. Er singt ein rhythmisches, fröhliches, und in Kenia sehr beliebtes Lied: Jambo, jambo, Afrika yeti , Akuna Matata (Hallo, Hallo, Afrika, kein Problem!)

Das Essen im Hotel, obwohl sicherlich aus tiefgefrorenen Produkten zubereitet, ist schmackhaft und üppig. Die Kellner sind sehr hilfsbereit, erfüllen jeden Wunsch. Wir merken schnell, dass auch sie sehr aufs Trinkgeld bedacht sind. Ich spüre – die schauen uns an mit einer Mischung aus Unterwürfigkeit, weil sie unser Geld wollen und Verachtung, und ich denke, dass dieser Blick das Erbe der Kolonialzeit sein muss. Kenia ist vom 1895 bis 1920 ein britisches Protektorat gewesen, dann Kronkolonie. Die Unabhängigkeit folgte erst am 12. Dezember 1963 und am 12. Dezember 1964 wurde Kenia eine Republik. Der erste Staatspräsident wurde Jomo Kenyatta, Vater der jetzigen Präsidenten Uhuru Kenyatta. Uhuru ist sein ältester Sohn.

Fortsetzung folgt in einer Woche…

Ein Ausflug in Iran II – Isfahan und weiter

Persische Gattin weiterhin unterwegs in Iran.

ISFAHAN…

… war früher die Hauptstadt Persiens, dann zogen die Monarchen um, da die Müllberge und Gestank unerträglich wurden. Heutzutage hat Isfahan etwa 2 Millionen Einwohner und ist einer der schönsten Städte in Iran. Vor allem beeindruckend ist der Blaue Moschee.

Isfahan 2Isfahan 3Es wird hier nicht mehr gebetet, das Gebäude ist eine Touristenattraktion. Der Moschee hat eine unglaubliche Akustik, ich habe da einen Muezzin singen gehört, die Stimme hallte in dem Raum, pralle gegen die blaue Kuppel, wie gegen den Himmel und kam tausend mal stärker zu uns, den Sterblichen zurück. Ich hatte Gänsehaut und, obwohl ich nicht nah am Wasser gebaut bin, Tränen in den Augen. Auf dem großen Platz vor dem Monarchen-Palast picknicken die Iraner oft oder spazieren. In kleinen, gemütlichen Geschäften wird das iranische Handwerk verkauf.

Isfahan 4

Isfahan 1

Turme 1Die wackelnden Türme

Am Rande von Isfahan kann man ein Gebäude mit zwei Türmen bewundern. Jede volle Stunde steigt ein Mann auf ein der Türme um mit ihm zu wackeln. Der zweite Turm wackelt mit. Bis heute zerbrechen sich die Architekten den Kopf, wie das wohl möglich ist. Ich beneide nur den Turm-Angestellten nicht. Gefragt: was machst Du beruflich? – ist er gezwungen zu antworten: ich wackele die Turme. Hmmm… Wenn man aufmerksam schaut, erkennt man in dem rechten Turm das weiße T-Shirt des Mannes.

Turme 3

NAQSCH-E-ROSTAM

In der Nähe von Persepolis befinden sich im Fels gemeißelte Gräber von Darius II, Artaxerxes, Darius I und Xerxes I. Die Größe überwältigt!

Gräber 4

Gräber 3Unter diesen Herrscher erstreckte sich das persische Reich bis zum Donau. Interessant ist, dass die persischen Monarchen die eroberten Völker nicht versklavt haben. Sie durften weiter ihre Religion praktizieren und die Sprache, Kultur und traditionellen Bräuche erhalten. Das einzige, was sie abgeben mussten, war ein Teil der Ernte, Gold und Wasser. Die Herrscher der späteren Römischen Reiches, zum Beispiel, waren da ganz anders drauf. Am Rande der archäologischen Städte – die Kamele, vor allem russische Touristen machen Fotos mit den Tieren, oder wagen einen Ritt.

Kamel 1

Kamel 2

PERSEPOLIS

Persepolis wird auch Tacht-e-Djamshid genannt (also Thron der Djamshid). Djamshid war ein König der Persischen Frühzeit, der über alle Bestien, Dämonen und Engel der Welt herrschte. Persepolis wurde von Darius den Großen gegründet (etwa 500 vor Christus). Die Stadt überwältigt, vor allem wegen ihrer Größe.

Persepolis 1Persepolis 2Persepolis 3Was mich erstaunt hat, war der Umgang der Kolonialmacht – England mit den gigantischen Skulpturen. Auf den Sockel kann man einmeißelte Namen der britischen Übersee-Kompanien sehen. Außerdem auch private Personen kritzeln ihre Namen auf die Sockel, diese Kritzeleien, vor allem in russischen und englischen Sprache verunstalten die Kunstwerke. Auch die Iraner steigen auf die Kunstwerke, um sich in beeindruckenden Posen zu fotografieren. Die Wächter sind mit Trillerpfeifen ausgestattet und weisen die unartigen Besucher zurecht. Und so erklingt in Persepolis, in regelmäßigen Abständen, ein klirrender Ton der Trillerpfeife.

Persepolis 4In der Nähe befindet sich ein sehr teures und ziemlich schlechtes Restaurant. Das Essen ist ungenießbar (was in Iran wirklich eine Ausnahme ist), aber es lohnt sich vorbeizuschauen, denn im Hof des Restaurants kann man diese exotischen Vögel bewundern.

YAZD…

… liegt im Zentrum Irans, fast genau in der Mitte. Es ist eine Oasen-Stadt von Wüsten umgeben, und für mich die schönste Stadt in Iran. Die Häuser der Medina (die Mitte), wurden in Mittelalter und zwar aus Ton gebaut. Dieses fragile Material fordert ständige Renovierungsarbeiten. Vor dem Moschee steht eine gewaltige Holzkonstruktion.

Yazd 1Am Tag des Todes Imams Husseins heben die starke Männer die Konstruktion und tragen in einer Prozession durch die Stadt. Je schwerer und größer die Konstruktion, desto besser, denn sie symbolisiert den Märtyrer Tod von Imam Hussein.

Yazd 2
Beeindruckend sind die Dächer von Yazd. Die Turme auf den Dächer heißen Bot-Gir (Wind-Fang), und sind eine Art Klimaanlage. Der kühle Wind wird gefangen, die Luft nach unten transportiert, das Gebäude mit der kalten Luft gekühlt, die erwärmte Luft steigt wieder durch den Bot-Gir nach oben.

Yazd 6

Dies war früher ein typisches Haus reicher Menschen, heutzutage befindet sich in diesem Haus ein Museum und zahlreiche Geschäfte mit Keramik. Auch solche Bilder findet man in Yazd.

Yazd 4Yazd 5

Yazd 5Die Menschen in Yazd sind sehr freundlich und sehr religiös, aber auch mutig. Nur in Yazd habe ich auf der Fassade eines Hauses Parolen gesehen, die die Regierung kritisierten.

Und zum Schluß

Es ist nicht schwer ein Visum für den Iran zu bekommen. Man muss über ein Reisebüro eine Reisenummer bei dem Außenministerium in Teheran beantragen, die Nummer wird der Iranischen Botschaft in Berlin mitgeteilt, dann kann man ein Visum beantragen (man braucht ein Foto für das Visum), Kosten etwa: 50 Euro. Ein Rat für die Eheleute – Eine Heiratsurkunde muss man dabei haben, sonst wird es schwierig in einem Zimmer in Hotels zu übernachten. Und die Damen: ein Kopftuch ist Pflicht in Iran!

Ein Ausflug in den Iran I – Teheran

Mało do czytania, dużo zdjęć. Ciąg dalszy za tydzień.

Persische Gattin

Ein Ausflug in den Iran – die architektonischen Schätze und das Leben der Straße

TEHERAN

Strasse Teheran 2Teheran sieht auf den ersten Blick nicht sehr einladend aus. Die Häuser, sogar die an den Hauptstraßen, sehen aus, wie irgendwie zusammengeflickt, mit Spuke oder Kaugummi zusammen geklebt.

Strasse 1

Außerdem es ist eine Metropole, etwa 18 Millionen Einwohner, die Umwelt ist so verschmutzt, dass an manchen Tagen man kaum atmen kann, und die Kinder werden von der Schule befreit. So sieht eine typische Teheraner Straße aus. Die historischen Teile der Stadt, vor allem, die früher bewohnten Wohnhäuser sind jetzt verlassen und niemand kümmert sich um sie, obwohl sie zentral gelegen und mit ihren Holzgalerien, Balkons, verspielten Treppen wunderschön sind. Ein Haus in der Nähe von dem großen Bazar.

Strasse Teheran 1Wir, diejenigen, die in Polen kurz nach der Wende gelebt haben, wo man eigentlich von dem Gehweg Fleisch und andere Lebensmittel verkauft hat, werden etwas vertrautes in diesem Bild finden. Man handelt in Teheran, direkt auf der Straße, manchmal werden die Tiere auch direkt am Straßenrand geschlachtet.

Zu den schönsten Gebäuden in Teheran gehört: Kahe Golestan – der Blumenpalast wurde Ende 18. und Anfang 19. Jahrhunderts gebaut, und war bis 1979 der offizielle Sitz der persischen Schahs. Der letzte Schah, Mohammad Reza Pahlavi wurde da auch zum König gekrönt.

Kahe Golestan 4

In Kahe Golestan befinden sich unzählige Portraits und Andenken an den Schah: Nasser al-Din Schah, der mit 25 Frauen verheiratet war, mit ihnen 18 Söhne und eine unbekannte Anzahl Töchter hatte. Einfach faszinierend. Das schönste in Kahe Golestan ist ein Saal, der komplett aus Silber, Spiegel und Kristallglas errichtet wurde.

Kahe Golestan 2Mir persönlich hat das kleine Detail gefallen, eine Steinkatze, der niedliche, lebendige Kater hatte auch nichts dagegen in dem Schatten des großen Bruders aus Stein zu ruhen.

Kahe Golestan 3

Niavaran Palast – als Schah Reza Pahlavi sich von der unfruchtbaren deutsch-iranischen Schönheit Soraya scheiden ließ und die Farah Diba heiratete, wollte sie in dem für sie altmodischen Kahe Golestan nicht leben, und so ist die ganze Familie in das moderne Palast Niavaran im Norden Teherans umgezogen.

Palast Farah Diba

Der Reichtum des Kaiserpaars ist legender. Die Iraner können noch heute die Kleider Farah Dibas bewundern, und die unzähligen Wohn- und Repräsentationsräume.

Palast Farah Diba 1In einem kleinen, unansehnlichen Gebäude nahe des Palasts befindet sich Fahrah Dibas Kunstsammlung. Fast alle Bilder wurden ihr von den Künstler geschenkt (darunter ein Dali und ein Picasso). Mir am meisten gefallen hat dieser kleine Chagall.

Palast Farah Diba 3-dublet

Das glückliche Leben

Persische Gattin

Aus den Erzählungen meiner Schwiegermutter

Das glückliche Leben von Agha Said

Am meisten Glück hatte Said. Als er zum Dienst, als Soldat in die Armee ging, wurde er ein Adjutant  des Offiziers. Es war gut-  er hat eingekauft, Essen gekocht und auch gut selbst dabei gegessen. Aus dem Geld, was er zum Einkaufen von dem Offizier bekommen hat, hat er etwas für sich selber behalten. Und, als er den Dienst beendet hatte, hatte er Tee, Kleidung und sehr viel Geld aus der Armee mitgebracht. Alle, die zum Dienst gehen, bekommen Geld vom Vater oder Mutter, da gibt es kein Fleisch zum Essen – “ich will kein Soldaten-Fraß essen” – sagen sie. „Ich mag diese Soldaten- Kleidung nicht. Die Soldatenstiefel sind nicht gut genug für mich, sie stinken und sind unbequem, einfach schlecht. Ich will schöne Schuhe aus gutem Leder“. Das Geld vom Vater zu Hause kriegen sie, gehen und kaufen was Gutes. Said hat es nicht so gemacht. Said hat gesagt: “alles was da ist, ziehe ich an”. Er war ja bei den Offizieren, er hat da gute Klamotten, Schuhe und Essen gekriegt. Geld hat er auch in seine Tasche gesteckt, ging zum Einkaufen, er hat für 5 Tuman eingekauft und zu dem Offizier gesagt: Agha, ich habe für 6 Tuman eingekauft. Einen Tuman hat er an sich genommen, er war geschickt, und hatte Glück.

Als Said aus der Armee zurück gekommen ist, war er ohne Arbeit. Ich bin arbeitslos, was soll ich denn machen? – fragte er Agha Jun – meinen Mann. Agha Jun meinte – ich wusste da eine Arbeit für dich, da ist ein Platz, welchen man mieten konnte.

Und Said hat in den leeren Räumen in einem Krankenhaus einen kleinen Cafe aufgemacht mit Tee, Säften, Plätzchen, Schokolade. Geld kam und kam, sehr gutes Geld kam. Alles hat er sich gekauft, ein Haus, im Dorf, es ist ein sehr schönes Haus, groß und sehr schick, in der Stadt, in Teheran, hat er ja auch ein Haus.

Jetzt wollte Said nur eins –  eine Frau. Er hat eine Frau genommen, sie hieß Mariam. Kurz nach der Heirat hat er sich vor ihr scheiden lassen, weil es böse Gerüchte über sie gab, sehr böse Gerüchte, und dann wollte er sie nicht. Er sagte zu ihr: du bist meine Frau geworden, aber vorher bist du keine Jungfrau gewesen. Schon vorher hat dich jemand angefasst.

Dann hat Said Sudobe zu Frau genommen. Wie alt war sie damals? Ich habe ihre Mutter gefragt –  wie alt ist sie denn, Ihre Tochter? Sie war ja noch so klein. Die Mutter meinte: sie ist 15. Said war eine gute Partie, hatte Geld, war jung, sehr tüchtig, die Mutter wollte ihn unbedingt für ihre Tochter. Said hat sie schon vorher im Dorf gesehen, als sie Wasser geschöpft oder Pfirsiche gepflückt hat. Dann haben sie sich auch angeschaut, bei der Hosstegori,  Said hat einmal zu ihr geguckt, und sie hat auch zu ihm ein Mal geguckt. Sudobe meinte – das wird ein guter Ehemann werden, ich heirate ihn , ich liebe ihn. Said meinte – ich will das Mädchen auch! Dann haben sie geheiratet. Ich selbst habe die Braut zum Friseur geführt, und geschminkt habe ich sie selbst. Sehr hübsch ist alles geworden. Und auch in dieser Nacht, in der Hochzeitnacht, haben sie ein Kind gemeistert, aber niemand wusste davon. Dann haben sie in Teheran gewohnt, sie wurden unsere Nachbarn. Eines Tages ist Said  zu uns gekommen, und schrie: Hanum wo bist du – lauf, ich flehe dich an, lauf!!! Was ist? – habe ich gefragt. –  Sudobe, die Wehen haben eingesetzt! Said – habe ich gesagt – du machst Witze, und solchen Spaß verstehe ich nicht! Aber Said schrie wie verrückt: Steh auf, steh auf, schließ die Tür und komm! Ich habe gesagt – gehen wir zum Arzt, schauen wir, ob sie wirklich schwanger ist

In einer Stunde schon war das Kind auf der Welt. Ich habe gelacht: wann habt ihr denn geschafft dieses Kind zu machen?

Das Kind war so klein, so klein, wie eine Katze, die Äugelein zu, 1 Kilo hat es gewogen. Ich sagte – Jo Hossein, und wer wird es pflegen? Said meinte – Gott hat es gegeben, Gott kümmert sich schon, selbst wird es heranwachsen.

Ah nein – schrie ich auf – da muss man sich kümmern, es ist viel Arbeit! Sudobe war ja ein Kind, und hatte keine Übung! Dann habe ich mich gekümmert, habe Medizin gegeben, und der Kleine geng, geng, geng, hat die ganze Zeit geweint.

Said sagte – wir nennen ihn Habib – und dann zu mir: er gehört dir! Ziehe ihn groß! Acht Monate habe ich alles bei ihm gemacht, Tag oder Nacht, habe ich ihn gebadet, Vitamine gegeben, Lieder gesungen. Er hat gut gegessen, ist dick und robust geworden.

Nun hat Said ein großes Haus, Grund, Obstgarten. Und mit Sudobe hat er ja nur Habib – ein Kind, welches schon 10 geworden ist. Alle haben gefragt, wieso kommt kein zweites Kind? Man muss zwei Kinder haben. Und alle haben spekuliert: bestimmt ist Sudobe krank, dass sie kein Kind mehr bekommt. Wenn Said eine weitere Frau nimmt, stellt sich schon heraus, wer krank ist – Sudobe oder er selbst.

Zwei FrauenDer Arzt hat behauptet, keine von Beiden hat ein Problem. Aber wenn Du mich fragst, der Said  wollte einfach eine Frau, ja – eine neue Frau. Und er hat das Mädchen Suhila genommen. Es verging ein Jahr, dann ein zweites – und kein Kind ist gekommen. Said hat endlich verstanden, er ist derjenige, der ein Problem hat. Und der Arzt hat es bestätigt und meinte zu Said: Sie haben einfach nur ein Ei. Ein Einziges Ei.

Also hat Agha Said zwei Frauen und einen Sohn. Und er sorgt für sie, sie haben es gut, essen gut. Sie haben ein gutes Leben.

Nächste Woche – Ein Ausflug in den Iran!