Nun ist er tot

Monika Wrzosek-Müller

Nun ist Papst Franziskus tot; er starb mit 88 Jahren am Ostermontag, nach der schweren Lungenkrankheit, von der wir dachten, er hätte sie überwunden. Mit Lungenproblem hatte der Papst schon seit seiner frühen Jugend zu kämpfen. Die unmittelbare Todesursache war aber ein Schlaganfall. Noch am Sonntag sprach er sichtlich angestrengt den Segen urbi et orbi vor Tausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz und fuhr in seinem Papamobil durch die Menge; er hat sich verabschiedet. Italien hat nun fünf Tage Staatstrauer angeordnet; man spürt echte Trauer und Anteilnahme. Auf dem Petersplatz versammeln sich Tausende von Trauernden aus der ganzen Welt. Die Beisetzung des Papstes soll heute, am 26.04. in der Basilika Santa Maria Maggiore stattfinden.

Wir haben bei uns gerade die italienischen Fernsehsender eingerichtet und sie gleich eingeschaltet; es gab viele Sendungen über den verstorbenen Papst. Mir bleibt er in Erinnerung aus den Rombesuchen als einer, der viele Flüchtlinge und Migranten im Vatikan als Hilfspersonal angestellt hat. Wir haben selbst erlebt, dass in den Vatikanischen Museen plötzlich nur noch sie arbeiteten und den Besuchern behilflich waren. Auch verfügte er, dass ein riesiger Palazzo direkt in der Nähe des Petersplatzes als Nachtasyl für Obdachlose eingerichtet wurde. Ursprünglich sollte die Immobilie als Luxushotel ausgebaut werden. Bei unseren vielen Besuchen in Italien hörten wir immer wieder, dass er mehrere Klosteranlagen in ganz Italien zu Asylunterkünften ausbauen ließ. Er galt für viele, nicht nur in Europa, als Papst der Armen, der Migranten, der Flüchtlinge; bezeichnend sein Besuch der Insel Lampedusa, wo Tausende von Flüchtlingen eintrafen. Er versuchte immer wieder und wo immer er konnte, die Prunksucht und Luxusauswüchse zu bekämpfen (er hat z.B. ein einfaches Papamobil eingeführt). Ob ihm das gelungen ist, bleibt den Generationen danach zu beurteilen. Doch man hat ihm immer wieder angesehen, wieviel Kraft ihn die Ausführung des Amts, besonders in den letzten Jahren nach den Missbrauchsskandalen, kostete und dass er es mit ganzer Würde ausübte. Er gilt als einer, der das Gespräch mit den vielen anderen Religionen suchte und weniger formell war, aber zugleich eher konservativ in seiner Vorstellung der katholischen Kirche.

Zugleich beginnen die Vorbereitungen für das Konklave und die Spekulationen über den zukünftigen Papstkandidaten. Die Italiener haben nach 47 Jahren die Hoffnung auf einen italienischen Papst, doch zugleich gibt es mehr denn je durchaus ernste Kandidaten, Kardinäle aus anderen Teilen der Welt, die gute Chancen haben und als „papabile“ gelten. Das Konklave soll 15 bis 20 Tage nach dem Tod des Papstes beginnen.

Leave a comment