Frauenblick auf die Diven

Monika Wrzosek-Müller

Die neunzigjährigen Kinostars feiern ihren Geburtstag: Sofia Loren und Brigitte Bardot

Die beiden großen Diven des Films, des europäischen Films, werden im September 2024 neunzig.
Sofia Loren, eigentlich Sofia, Costanza, Brigida Villani Scicolone feierte gerade am Freitag und Brigitte, Anne Marie Bardot am 28. September. Beide haben unsere Zeit durch ihre unvergesslichen Filmrolle geprägt, könnten aber nicht verschiedener sein.

Hier, in Italien, ist überall von Sofia Loren zu hören: im Fernsehen, in der Zeitung, auf der Straße, im Café, im Radio. Zu ihrem neuzigsten Geburtstag hat sie den Schlüssel für die Cinecittá in Rom bekommen; diese Auszeichnung reiht sich an die zahlreichen anderen, es fehlt weder der Oskar noch der Löwe und die Palme, noch Bär mit dem Bambi oben drauf – und alle anderen existierenden Preise.
Fast ist mir bange, wie sie, die Neunzigjährige diese ganzen Festivitäten um sie herum erträgt, ertragen kann. Doch erstaunlich, oder eben auch nicht: diese Aufmerksamkeit scheint ihr sehr gut zu tun und sie zu beleben. Sie tritt wie immer mit unheimlichen Makeup auf, enorm zurechtgemacht, und genießt im Kreis der zahlreichen Freunde, immer von den beiden Söhnen Carlo jr. und Eduardo begleitet, ihren Geburtstag; ihre große Liebe der Filmproduzent und Ehemann Carlo Ponti ist 2007 gestorben.
Mir persönlich haben immer ihre italienischen Filmkomödien sehr gefallen; oft unter der Regie von Vittorio de Sica und mit Marcello Mastroianni. Es wäre schwer, die Filme hier aufzuzählen, sie hat in über 100 Filmen gespielt, in den meisten die weibliche Hauptrolle. Doch die Filme: Und dennoch leben sie noch, Hochzeit auf italienisch, Arabeske, Gestern, heute und morgen, Schöne Isabella, Zwei Frauen, Sonnenblumen, Die Frau des Priesters, Mortadella, Die Reise nach Palermo… sind mir im Gedächtnis geblieben. Und noch ein Film, der wirklich 2020 gedreht wurde: Du hast dein Leben noch vor Dir, in dem sie eine Ex-Prostituierte spielt, die Ausschwitz überlebt hat und sich um die Kinder der anderen jungen Prostituierten kümmert und einen Waisen selbst großzieht; da war sie immerhin 86 Jahre alt. Immer ein bisschen ironisch, entrückt, aber durchaus komisch und authentisch und vor allem schön und unheimlich lebendig, sie strotzte vor Energie. Ein italienischer Journalist meinte, sie verfüge über einen natürlichen Magnetismus, der einem auch Angst einjagen könnte. Alles drehte sich um sie. Sie existierte im Film und im Filmgeschäft, sie spielte nicht, das war ihre Natur, sie gab sich dem voll hin. Viele waren von ihr besessen, wie der Schauspieler Peter Sellers, der sogar seine Familie für sie verlassen wollte. Doch sie wies ihn ab, blieihrer Liebe Carlo Ponti treu.
Zugleich stammte sie aus ärmlichen Verhältnissen, wurde im schönen Pozzuoli bei Neapel geboren und war sehr früh auf sich selbst angewiesen, denn der Vater hatte die Familie, die Mutter mit den zwei Töchtern verlassen. Früh ging sie nach Amerika, nach Hollywood und feierte dort auch große Erfolge, für mich bleibt sie aber die schöne, tüchtige Italienerin.

Am 28. September wird Brigitte Bardot 90. Ich denke, sie wird eher die Öffentlichkeit meiden und mit ihren Tieren, im kleinen Kreis feiern. Sie stammt aus einer gutbürgerlichen Familie aus Paris und ihr Leben war für mich von Auflehnung und Protest gegen die bestehende Weltordnung geprägt. Sie war in den meisten Filmen einfach sie selbst. Sie verstand den Feminismus als Freiheit von allen früheren weiblichen Rollen; sie wollte ihre Schönheit ausleben und zeigen, wie eine Frau gleichzeitig sexy und selbstbewusst sein kann. Doch schon 1973 beendete sie sowohl ihre Schauspielkarriere als auch ihre Auftritte als Chansoniere. Für meine Generation bleibt sie ein Symbol einer neuen Epoche – mit dem Leben an der Cote d´Azur, in St. Tropez, mit dem jet-set und Hippieleben, alles durcheinander und aber schön und bewundernswert. Auf jeden Fall hat sie den neuen Stil in der französischen Nouvelle Vague mitgeprägt. In ihrem späteren Leben konzentrierte sie sich auf die Hilfe für den Tierschutz, dank ihrer Bekanntheit begründete sie mehrere Organisationen, die sich allen geschundenen Tieren widmeten. Sie trat auch gegen die brutalen Schlachtmethoden in den Schlachthöfen auf. Sie eckte immer wieder mit politisch extravaganten Äußerungen. Mal sehen, wie die Filmwelt, vor allem in Frankreich, sie feiern wird.

Leave a comment