Decolonize Human Rights!?!

Ewa Maria Slaska & Brigitte von Ungern-Sternberg

Ewa:
Heutzutage dekolonialisiert man alles. Vor einm Jahr oder so habe ich im Zeit Magazin gelesen, dass “2×2 = 4” auch ein Zeichen der patriarchalen Supremation der alten weißen Männern ist und “wir”, z.B. Transtanzende Transfrauen aus Transistria, ein anderes mathematischen Prinzip haben können, das für uns das A und O der Wissenschaft symbolisieren wird. Zum Beispiel transition probability. Wir sollen wissen, dass Beweise in der Wirklichkeit nicht existieren und nur imaginär sind, damit wir sie in allen unseren Beweisführungen als pure Behauptungen nutzen können. Saben Knaecke schreibt auf dem Quora Portal: Die Behauptung “2 x 2 = 4” sei “wahr”, beruht darauf, dass es eine Reihenfolge von Symbolen gibt, in der auf die “2” die “3” kommt und auf “die “3” die “4” . Nur DADURCH ist die Behauptung “2 x 2 = 4” wahr.
Der Mathematiker schreibt es so: 2=succ(1), 3=succ(2), 4=succ(3) usw. usf. Die Antwort sieht entsprechend aus.
Es gibt auch ein paar andere Antworten. Die lassen wir aber.

So. Und jetzt zur Fragen von Brigitte.

Brigitte:

Ihr Lieben!!

Gestern waren wieder mehrere Tausend pro-palästinensische Demonstranten unterwegs und kamen auch durch die Blücherstraße. Unüberhörbar die rhythmischen Rufe  Allah – Illaha …. 

Ich hoffe, dass unsere Christkindl Märkte einigermaßen friedlich stattfinden werden. 

Zusammen mit der pro-palästinensischen Demo wurde auch die Forderung erhoben: ‚Decolonize Human Rights‘

Versteh ich irgendwie nicht:  Menschenrechte sind Menschenrechte und das universal!  Sollen die jetzt anders heißen, damit sich die ehemals kolonisierten Völker auch angesprochen fühlen?  Dann müsste man eigentlich auch fordern: ‚Decolonize Democracy‘, auch so eine teuflische europäische Erfindung. 

Wie seht ihr das?

Demo: Global South United – Decolonize Human Rights! | nd-aktuell.de

Ein Tag später kam die zweite E-Mail von Brigitte.

Ich habe nachgeschaut. Die ‚Menschenrechte’ wurden formuliert als Beipack zur Gründung der VEREINTEN NATIONEN 1948. Die Kolonialreiche  befanden sich bereits in ihrer Endphase. 

Universale Menschenrechte waren ein Versprechen für die Zukunft der Völker und ein friedlicheres Zusammenleben
a l l e r Völker dieser Erde, eigentlich aller Nationen. Völker? Das klingt zu ethnisch.  

Das Versprechen wurde vielfach nicht eingelöst, die UNO ist so gut und schlecht wie ihre Mitglieder. Aber besser eine UNO als keine, es ist immerhin eine Plattform, auf der so einiges sichtbar wird. Was tritt an ihre Stelle,  schafft man sie ab!?!

‘Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit’ waren die Schlagworte der Französischen Revolution, die erst mal ihre Gegner unters Schaffott brachte. Aber haben die Schlagworte deshalb ihren Sinn verloren?  

‚Decolonize the Human Rights‘?  Ist kein guter Slogan!

Die dritte E-Mail hieß ‘Decolonize Berlin’

Die reiche Inhaltsangabe dieser Broschüre hat mir gezeigt, dass ich mit meinen bald 80 Jahren dem ‚Zeitgeist‘ hoffnungslos hinterher hinke.
Aufgefallen ist mir bislang nur, dass Straßennamen ‚dekolonisiert‘ bzw. ‚demilitarisiert‘ werden sollen. 
Wozu noch die Generäle Blücher und Gneisenau? Bald wird meine Straße einen weiblichen Namen tragen, denn bei der Neubenennung soll es doch gendergerecht zugehen!
Vielleicht baut man auch gleich das Kreuzbergdenkmal ab mit der Erinnerung an Schlachten, in denen Napoleon besiegt wurde.  

Dazu kann ich nur sagen, im Afrikanischen Viertel im Wedding, werkelt man sehr stark an Dekolonialisierung der Straßen in Berlin.

Der Afrikanischer Viertel ist eine klare Erbschaft des deutschen (Fern)Kolonialismus. Man merke, dass wenn man in Deutschland über den eigenen Kolonialismus redet, meint man nur den Fern-Kolonialismus, den Nah-Kolonialismus, den, der in Europa (z.B. in Polen oder Tchechien) statt fand, vergisst man. Aber zurück zu den Afrikanischer Viertel. Der Name ist klar auslegbar. Folgende Straßen liegen im Viertel: Afrikanische Straße, Cornelius-Fredericks-Straße, Damarastraße, Dualastraße, Ghanastraße, Guineastraße, Kameruner Straße, Kongostraße, Mohasistraße, Otawistraße, Petersallee, Sambesistraße, Sansibarstraße, Senegalstraße, Swakopmunder Straße, Tangastraße, Togostraße, Transvaalstraße, Ugandastraße, Usambarastraße und Windhuker Straße sowie der Manga-Bell-Platz.

Da sind verschiedene Länder, Völker und Landschaften Afrikas im Spiel, aber auch Menschen. Und da, unter den Namen der Menschen, tat sich schon sehr Viel. Cornelius-Fredericks-Straße, Petersallee, Manga-Bell-Platz.

Die Cornelius-Fredericks-Straße hieß bis 2022 Lüderitz-Straße. Franz Adolf Eduard Lüderitz, meist nur Adolf Lüderitz (1834-1886) genannt, war ein deutscher Großkaufmann und erster deutscher Landbesitzer im heutigen Namibia.  2022 wurde Lüderitz durch Cornelius Fredericks (1864–1907), einer der Anführer beim Aufstand der Nama gegen die deutsche Kolonialbesatzung, ersetzt.

Petersalle trägt jetzt ihren Namen nach Hans Peters (1896–1966), deutschen Jurist, Politiker, und Widerstandskämpfer. Von 1939 bis eben 1986 hieß sie zwar schon Petersallee, aber nach dem Kolonialpolitiker Carl Peters. Nach einem Beschluss im April 2018 soll der nordöstliche Abschnitt Richtung Müllerstraße nach der namibischen Unabhängigkeitsaktivistin Anna Mungunda benannt werden; der südwestliche Abschnitt Richtung Windhuker Straße wird Maji-Maji-Allee heißen und damit an den Maji-Maji-Aufstand erinnern.

Namensgeber des Manga-Bell-Platzes ist seit dem 25. November 2022 das Königspaar der Duala, Emily und Rudolf Manga Bell. Vorher hieß der Plat Nachtigal-Platz, nicht aber das Vögelchen Nachtigal war der Patron des Platzes, sondern Arzt und Afrikaforscher Gustav Nachtigal, Beamter im auswärtigen Dienst des deutschen Kaiserreichs. Als Reichskommissar vollzog er die Gründung deutscher Kolonien in Westafrika.

Noch bevor die Strassen Umbennenung bzw. Umwidmung vollendet war, hat man auch die U-Bahn-Station Afrikanische-Straße neu gestalten. Im Zuge einer Grundsanierung erhielt der Bahnhof schon 2016 neue, hellblaue Wandfliesen. Die Wände und die Abgänge von den Zwischengeschossen tragen jetzt Afrika-Motive. Giraffen, Antilopen und Gazellen betonen, dass Afrikas Natur so schön ist. Ist die Kolonialisierung im Begriff, vergessen zu werden?

Foto: The Guardian

One thought on “Decolonize Human Rights!?!

  1. Kommentar von Brigitte von Ungarn-Sternberg:

    Straßenumbenennungen und Abriss von Denkmälern? Ja – in besonders krassen Fällen. Gut als Stalinalleen und Hitlerplätze verschwanden. In der Regel sind sie hierzulande schnell umbenannt worden, Hitler gleich nach dem Ende des 2.Weltkriegs. Stalin-Namensgebungen verschwanden nach seinem Tod in den 50iger Jahren, auch in Ostberlin! Zumindest in der Öffentlichkeit wurde dem nicht nachgetrauert.

    In den ehemaligen Sowjetrepubliken, die jetzt in der Nato sind, wird nach und nach alles entfernt, was an die Sowjetunion erinnert – nicht zur Freude von russischen Minoritäten z.B. in Lettland und Estland. Beschleunigt wird die Entfernung mit dem Krieg in der Ukraine. Aber 40 Jahre lang Sowjetrepublik gewesen zu sein lässt sich nicht ausradieren, ebensowenig die 40 Jahre lange Existenz der DDR. Es bleibt eine Phase in der Geschichte dieser Länder.

    Die ‚Erinnerungskultur’ im Laufe der Jahrhunderte, ein sehr interessantes Thema. Kommt sie von ‚unten‘ oder haben Siegermächte sie ‚angeordnet’?

    Zurück zu Afrika!

    Es wird gefordert:

    ‚Decolonize Berlin‘ – ein Rückblick auf die Vergangenheit?

    Ich finde, dass man ruhig in die Bestände der ehemals ‚völkerkundlichen‘ Museen schauen und geraubte Kunstschätze zurückgeben soll. Aber was weiter?

    Afrika ist kein Müllplatz und kein Rohstofflager und besonders brisant ist der Umgang mit dem Strom der Fliehenden.
    Sollen Geflüchtete, die sich durch die Wüsten an die Mittelmeerküste gekämpft und dort ein überfülltes Boot bestiegen haben, nach Ruanda (!) überführt werden, um dort ein Asylverfahren zu beantragen? Wie müssen diese Geflüchteten sich fühlen?

    Man kann die Frage erneut nach den ‚Human Rights‘ stellen,
    nämlich den Human Rights der Afrikaner, die in ihren Ländern keine Zukunft sehen, bzw. politisch vefolgt sind.

    Also was muss sich ändern, damit die Geflücheten eine lebenswerte Zukunft in ihren Ländern haben?

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